16-Jähriger unter Verdacht US-Richter fordert Nachsicht mit mutmaßlichem Vergewaltiger

Die Verurteilung würde sein Leben zerstören und er käme "aus gutem Hause". Mit diesen Gründen hat ein US-Richter einen Jugendlichen vor dem Erwachsenenstrafrecht bewahrt. Zu Unrecht, entschied ein Berufungsgericht.


Mehr als zwei Jahre nach der mutmaßlichen Vergewaltigung eines Mädchens im US-Bundesstaat New Jersey erregt der Fall nun auch international Aufsehen. Grund ist laut US-Medien, dass ein Richter trotz schwerwiegender Beweise gegen einen 16-Jährigen nicht das Erwachsenenstrafrecht anwenden wollte - offenbar um die Zukunft des Jugendlichen nicht zu gefährden. Ein Urteil hat es bislang noch nicht gegeben.

Laut dem Sender CNN kassierte nun ein Berufungsgericht die Entscheidung des Richters James Troiano - und wies den Fall an das zuständige Gericht im Monmouth County zurück.

Der 16-Jährige soll die Gleichaltrige bereits im Jahr 2016 vergewaltigt haben. Den Berichten zufolge filmte der Jugendliche die Tat mit dem Handy, später verbreitete er die Aufnahmen. Sie zeigen demnach, wie der Jugendliche den Kopf des sichtlich betrunkenen Mädchens mehrmals an eine Wand schlägt. In Nachrichten an Freunde soll der Jugendliche die Tat auch selbst als "Vergewaltigung" bezeichnet haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Tat "räuberisch und durchdacht" genannt und gefordert, bei dem Fall nicht das Jugend-, sondern das Erwachsenenstrafrecht anzuwenden.

Dies lehnte der Richter James Troiano vom Monmouth County Superior Court den Berichten zufolge jedoch ab, weil der Beschuldigte "aus gutem Hause" komme und exzellente Schulleistungen habe. Er könne wahrscheinlich eine renommierte Hochschule besuchen. Den Staatsanwälten warf er laut der "New York Times" vor, das Opfer und dessen Familie nicht darüber aufgeklärt zu haben, welche Konsequenzen ein Urteil für den Täter haben könne.

Eine Verurteilung von Jugendlichen nach Erwachsenenstrafrecht ist in New Jersey laut US-Medien dann möglich, wenn die Minderjährigen besonders schwerer Verbrechen beschuldigt werden. Der "New York Times" zufolge entscheidet bei Prozessen nach Jugendstrafrecht keine Jury. Außerdem finden sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und die Urteile fallen meist milder aus.

Das Opfer hatte sich erst 2017, ein Jahr nach der mutmaßlichen Vergewaltigung, an die Behörden gewandt und Anzeige erstattet. Laut der "New York Times", weil der Jugendliche das Video der Tat noch immer verbreitete.

Nach Angaben der Zeitung begründete Richter Troiano seine Entscheidung mit einer eigenen Interpretation zu Vergewaltigungen. "Traditionell" läge eine Vergewaltigung nur dann vor, wenn ein oder mehrere Täter eine Waffe einsetzen würden, um ein Opfer in eine Ecke oder in ein abgelegenes Gebäude zu drängen, so Troiano laut dem Bericht.

Nur wenn dies erfüllt sei, könne man bei dem Fall das Erwachsenenstrafrecht anwenden, ansonsten handele es sich um einen "sexuellen Übergriff". Die Nachrichten, die der Jugendliche an seine Freunde schickte, bezeichnete der Richter lediglich als "Mist", den der 16-Jährige an seine Freunde geschickt habe.

Troiano ist laut "New York Times" bereits im Ruhestand, gelegentlich werde er an dem Gericht aber noch als Vertretung eingesetzt. Die aktuelle Wendung in dem Fall wollte er laut CNN nicht kommentieren.

Es ist nicht das erste Mal, dass US-Richter in Vergewaltigungsprozessen zunächst Milde walten lassen. Ebenfalls in New Jersey hatte eine Richterin Medienberichten zufolge einen Prozess nach Erwachsenenstrafrecht gegen einen 16-jährigen Vergewaltiger abzuwenden versucht, weil das zwölfjährige Opfer keine ernsthaften Verletzungen erlitten hatte. Die Entscheidung wurde später kassiert.

In Kalifornien war ein Student der Universität Stanford nach einer Vergewaltigung zu sechs Monaten Haft verurteilt worden - die Staatsanwaltschaft dagegen hatte sechs Jahre gefordert. Richter Aaron Persky machte geltend, dass eine Klassenkameradin des Täters dessen positiven Charakter gelobt hatte. Der Fall hatte im Internet eine Welle des Protests ausgelöst, Persky war wenig später von einem anderen Sexualprozess abgezogen worden.

fek



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