USA Richter sperrt Zuhörer wegen Gähnens ins Gefängnis

Im Gerichtssaal kann noch lange nicht jeder machen, was er will. Das dachte sich nun wohl ein Richter im US-Staat Illinois: Er hat einen Zuhörer ins Gefängnis geschickt - weil dieser zu laut gegähnt haben soll.


Joliet/USA - Eigentlich wollte Clifton Williams am 23. Juli bei dem Prozess in Joliet bei Chicago nur als Zuhörer teilnehmen, sein Cousin musste sich wegen eines Drogendelikts verantworten. Doch während der Urteilsverkündung erregte der 33-jährige Williams den Unmut von Bezirksrichter Daniel Rozak - mit einem Geräusch, das laut Gerichtsakten einem Gähnen ähnelte.

"Das war ein sehr lauter, ungestümer, bewusster Versuch von Seiten dieses Individuums, die Verhandlung zu stören und seine Missachtung des Gerichts zu bekunden", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Charles Pelkie, und fügte hinzu: "Dieser Kerl hat im Gericht ein Statement abgegeben, ein sehr lautes Statement."

Dafür kam Williams umgehend ins Gefängnis: Der Richter verhängte eine Strafe von sechs Monaten Haft. Jetzt hofft der 33-Jährige auf eine Anhörung am Donnerstag. Wenn er sich für sein Verhalten entschuldigt, kann die Strafe erlassen werden. Allerdings hätte er bis dahin auch schon 21 Tage im Gefängnis zugebracht.

Williams schrieb seiner Familie einen Brief und erklärte darin, er könne nicht glauben, dass er "für nichts" im Gefängnis sitze. Auch der in dem Prozess verurteilte Cousin fand das Verhalten seines Verwandten nicht sonderlich ungebührlich. Von einem "unverschämten Gähnen" könne keine Rede sein, sagte er.

siu/AP



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