USA Zwei Häftlinge aus Todeszelle in Freiheit entlassen

Knapp 15 Jahre lang saßen sie im Gefängnis. Jetzt wurden zwei wegen Mordes in Oklahoma einsitzende Männer aus der Haft entlassen. Ein wichtiger Zeuge soll eine geheime Absprache mit der Staatsanwaltschaft getroffen haben.

Oklahoma City - Ein Bundesrichter hatte die Verurteilung der heute 35 und 36 Jahre alten Männer vor drei Jahren für unrechtmäßig erklärt, weil ein Schlüsselzeuge, Derrick S., als unglaubwürdig eingestuft worden war. Jetzt kam die Staatsanwaltschaft zu dem Ergebnis, dass es nicht möglich sei, die beiden erneut wegen des Mordes an einer Jugendlichen im Jahr 1993 anzuklagen.

Bezirksstaatsanwalt David Prater erklärte am Montag in Oklahoma City, man habe sämtliche Beweise und Polizeiberichte neu gesichtet: "Ethisch gesehen hätte ich sogar ein Problem damit, Derrick S. überhaupt einen Zeugen zu nennen."

S. hatte zunächst erklärt, er sei an der Seite des 14-jährigen Opfers gewesen, als dieses aus einem fahrenden Auto beschossen wurde. Später sagte er, er habe in Wirklichkeit nie gesehen, dass die verurteilten Yancy D. und Paris P. die tödlichen Schüsse abgegeben hätten. Außerdem sei er in der Tatnacht betrunken gewesen und habe unter Drogeneinfluss gestanden. Er habe nur als Zeuge ausgesagt, weil man ihm andernfalls mit Haft gedroht habe.

Der Anwalt des freigelassenen 36-Jährigen erklärte nach der Freilassung, sein Mandant habe von Anfang an seine Unschuld beteuert. Die Freilassung habe einen bitteren Nachgeschmack, denn "das hätte eigentlich schon vor langer Zeit passieren müssen", sagte der Anwalt.

Tragisch endete das Leben eines 43-Jährigen aus dem US-Bundesstaat Texas, der erst vor einem Monat nach zehn Jahren im Todestrakt wieder freigelassen worden war: Wie die Polizei am Montag mitteilte, starb Michael Tony am Samstag bei einem Autounfall. Er war 1999 wegen Dreifachmordes zum Tode verurteilt worden, hatte aber stets seine Unschuld beteuert. Anfang September kam Tony auf freien Fuß, nachdem ein Berufungsgericht das Urteil gegen ihn aufgehoben hatte.

Derweil hat der Gouverneur des US-Bundesstaates Ohio wegen einer gescheiterten Hinrichtung per Giftspritze zwei für Oktober und November geplante Exekutionen ausgesetzt. Man werde nach Alternativen zur Giftspritze zu suchen, teilte der demokratische Gouverneur Ted Strickland am Montag mit. Hintergrund ist die gescheiterte Vollstreckung des Todesurteils gegen den Häftling Romell Broom Mitte September. Die Hinrichtung wurde abgebrochen, weil das Hinrichtungsteam zwei Stunden lang keine Vene für die Todesspritze fand.

ala/AP/dpa/AFP

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