Prozess um getötete 18-Jährige aus Usedom Mutmaßliche Mitwisserin bedroht - Richterin ermahnt Besucher

In Stralsund müssen sich zwei Männer wegen Mordes an einer 18-Jährigen verantworten. Die Ex-Freundin eines der Angeklagten wusste von der Tat, trotzdem blieb sie bei dem Mann - und wurde nun offenbar bei Gericht bedroht.

Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern: Der 19-jährige Angeklagte im Landgericht. Er soll eine schwangere 18-Jährige ermordet haben
DPA

Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern: Der 19-jährige Angeklagte im Landgericht. Er soll eine schwangere 18-Jährige ermordet haben


Im Prozess um den Mord an einer jungen Frau aus Usedom hat die Ex-Freundin des angeklagten 19-Jährigen ausgesagt. Sie gab zu, von der Tat gewusst zu haben. "Ich war fassungslos", sagte sie vor Gericht.

Die Staatsanwaltschaft wirft zwei Männern vor, die 18 Jahre alte Schwangere heimtückisch und aus Mordlust getötet zu haben. Sie wollten einen Menschen sterben sehen, sagte der Staatsanwalt. Am ersten Prozesstag hatte der 19-Jährige einen Großteil der Schuld auf sich genommen. Der mitangeklagte 21-Jährige gab an, er habe nur zugesehen und nicht fassen können, dass diese Tat tatsächlich geschehe.

Gegen die Ex-Freundin des mutmaßlichen Haupttäters wird ermittelt, weil sie von der Tat gewusst und der Polizei nichts gesagt haben soll. Vor Gericht sagte sie, sie habe ihren damaligen Freund nicht ernst genommen, wenn er von seinen Mordfantasien gesprochen habe. Er solle aufhören rumzuspinnen, habe sie gesagt. Selbst als er sich am Tatabend betrunken verabschiedete, ein Messer zeigte und das Verbrechen ankündigte, habe sie ihm nicht geglaubt.

Dann sei er nachts nach Hause gekommen und habe gesagt, dass sie das jetzt durchgezogen hätten. Sie habe Blut an seinen Händen und an seiner Unterhose entdeckt.

"Ist jetzt halt so"

Auf die drängenden Nachfragen der Richterin, wie sie noch vier Wochen neben ihm leben und schlafen konnte, sagte die Frau, sie sei von ihm bedroht worden. Er habe ihr ein Messer an den Hals gehalten und gesagt, sie wäre die Nächste, wenn sie zur Polizei ginge. Sie hätte immer Angst gehabt. "Haben Sie nie gedacht, das ist eine tickende Zeitbombe?", fragte die Richterin. "Ist jetzt halt so, keine Ahnung", antwortete die junge Frau.

Die Zeugin wurde offenbar auch bei Gericht bedroht. Die Richterin ermahnte einige Besucher, in der Pause von der Ex-Freundin Abstand zu halten.

Auch die Mutter des Opfers sprach im Stralsunder Landgericht. "Sie fehlt mir so sehr, sie ist meine erste Tochter", sagte sie unter Tränen. Die mutmaßlichen Täter und das Opfer waren der Mutter zufolge befreundet, haben auch zusammen Familienfeste gefeiert.

"Bestialisch zugerichtet"

Aufschluss über das Motiv der Tat erhofft sich das Gericht auch von einer Mitarbeiterin im Jugendklub, in dem sich die Angeklagten, das Opfer und andere Jugendliche des kleinen Ostseebades regelmäßig trafen. Die Mitarbeiterin war auch die beste Freundin der Ermordeten.

Die besorgte Mutter hatte die Freundin am Tag nach der Tat gebeten, nach ihrer Tochter zu schauen. Die Freundin sagte vor Gericht, sie habe das Opfer "bestialisch zugerichtet" vorgefunden. Der Gerichtsmediziner hatte 19 Einstiche gezählt, in Kopf, Hals und Extremitäten. Es sei ihr klar gewesen, dass der Täter aus dem Bekanntenkreis kommen musste, da die getötete Frau keine Fremden hineinließ. Den jüngeren Angeklagten beschrieb die Klubmitarbeiterin als jähzornig und aggressiv.

Die beiden Männer hatten die Frau nach der Tat liegen lassen und die Wohnung aufgeräumt. Das Messer und das Handy des Opfers hätten sie von der Seebrücke aus in die Ostsee geworfen. Einen Monat später wurden die beiden nach intensiver Fahndung festgenommen.

Dem 21-jährigen Angeklagten droht laut Landgericht eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes. Der Jüngere könnte aufgrund seiner Alkoholisierung und einer psychiatrischen Erkrankung bei der Tat vermindert schuldfähig gewesen sein. Im Fall einer Verurteilung könnte er wegen Mordes eine Jugendstrafe von bis zu zehn Jahren erhalten. Sollte die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden, könnte die Haftzeit auf 15 Jahre ausgeweitet werden. Es besteht zudem die Möglichkeit der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

jpz/dpa



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