Nach Wutanfall Autistisches Kind von US-Polizei niedergeschossen

Er litt laut seiner Mutter an Trennungsängsten: Bei einem Polizeieinsatz in Salt Lake City ist ein 13-Jähriger schwer verletzt worden. Die vermutete Waffe wurde bei dem Jungen nicht gefunden.
Polizeieinsatz in den USA (Symbolbild)

Polizeieinsatz in den USA (Symbolbild)

Foto: Joe Raedle/ Getty Images

Exzessive Gewalt durch Polizisten und Schusswaffengebrauch ohne hinreichenden Anlass sind in den US-Medien mitten im Wahlkampf ein zentrales Thema geworden. Nun gibt es einen neuen Fall - auch wenn hier die Umstände etwas anders liegen als etwa bei George Floyd oder Jacob Blake.

Im US-Bundesstaat Utah ist ein autistisches Kind durch Polizeischüsse schwer verletzt worden. Wie US-Medien berichteten, wurde der 13-Jährige von den Kugeln an der Schulter, dem Knöchel, im Darm und an der Harnblase verletzt.

Nach Angaben seiner Mutter hatte der unter Trennungsängsten leidende Junge einen Wutanfall bekommen, als sie nach einjähriger Auszeit erstmals wieder zur Arbeit gehen musste. Sie habe daraufhin den Notruf angerufen.

Sie habe Hilfe gerufen, damit ihr Sohn ins Krankenhaus gebracht werde, sagte die in Salt Lake City lebende Mutter dem Lokalsender KUTV.  Den dann eingetroffenen Polizisten habe sie gesagt, dass ihr Sohn unbewaffnet sei und mit seinem Wutanfall "nur versucht, Aufmerksamkeit zu bekommen". Er sei vor den Polizisten davongelaufen, woraufhin einer von ihnen auf den Jungen geschossen habe.

Ein Polizeisprecher bestätigte, dass der Polizist den Jungen durch Schüsse verletzt hatte. Es habe der Verdacht bestanden, dass der Junge "einigen Leuten Drohungen mit einer Waffe gemacht hat", sagte der Sprecher. Zugleich räumte er aber ein, dass an der Szene des Vorfalls keine Waffe gefunden worden sei. Die Bürgermeisterin von Salt Lake City versprach eine schnelle Aufklärung des Falls.

Erinnerungen an den Fall Daniel Prude kommen auf

Der Vorgang erinnert an den Tod des Schwarzen Daniel Prude nach einem Polizeieinsatz in Rochester im US-Bundesstaat New York. Dem nackten und unbewaffneten Mann war von einem Polizisten der Kopf auf den Boden gedrückt worden. Der 41-Jährige verlor das Bewusstsein und starb eine Woche später im Krankenhaus. Auch Prude litt unter psychischen Problemen. Anders als Prude ist das Opfer im aktuellen Fall in Utah jedoch weiß. Zuletzt war der Polizeichef von Rochester zurückgetreten.

Fälle von exzessiver Polizeigewalt haben in den vergangenen Monaten in den USA landesweite Demonstrationen und eine Debatte über die Einsatzmethoden der Polizei entfacht. Bei den Protesten geht es jedoch in erster Linie um Polizeigewalt gegen Schwarze.

jok/AFP
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