Drei Tote in Utrecht Der Tatverdächtige - ein Schwerkrimineller

Ein Mann eröffnet in einer Utrechter Straßenbahn das Feuer, drei Menschen sterben, fünf werden verletzt. Der Tatverdächtige ist gefasst - die Frage nach dem Motiv offen.


Der Platz des 24. Oktober im Westen Utrechts, Montagvormittag gegen 10.45 Uhr: In einer Straßenbahn fallen Schüsse. Es dauert nur wenige Stunden, dann ist das Ausmaß der Gewalttat deutlich: Drei Menschen sind tot, fünf verwundet, manche davon sind in kritischem Zustand.

Schnell ist der Tatverdächtige identifiziert: Gökmen T., ein 37-Jähriger Mann. Am frühen Abend nimmt die Polizei ihn fest - zusammen mit einem weiteren Verdächtigen. Kurz darauf wird ein dritter mutmaßlicher Mittäter festgenommen. Es ist aber noch unklar, inwieweit die beiden Letzteren beteiligt gewesen sind. Der Vorwurf lautet auf Verdacht des Totschlags mit einem terroristischen Motiv.

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Drei Tote, fünf Verletzte: Die Bluttat von Utrecht

Bis zu den Festnahmen erlebten die Stadt und weitere Teile der Niederlande Stunden der Angst: Schulen sollten ihre Türen geschlossen halten, Bürger in ihren Häusern bleiben. Für die Region Utrecht wurde zwischenzeitlich die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. In Deutschland hatte die Bundespolizei an der Grenze zu den Niederlanden ihre Kontrollen an Straßen und in Zügen verstärkt.

Die Tat ereignete sich im Viertel Kanaleneiland, einer ruhigen Wohngegend etwa einen Kilometer von der Altstadt entfernt. "Es ist verstörend, dass so etwas so nahe an unserem Zuhause geschehen kann", sagte ein Anwohner.

Video: Polizei fasst mutmaßlichen Schützen

Der Tatverdächtige ist polizeibekannt. "Wir wissen relativ viel über ihn", sagte Rutker Jeuken vom Innenministerium. Der mutmaßliche Täter hat nach Medienberichten ein langes Vorstrafenregister, im Dezember 2013 wurde er wegen versuchten Mords verurteilt, vor zwei Wochen begann eine Verhandlung wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs. Darüber hinaus wurde er wegen Ladendiebstahls, Trunkenheit am Steuer, Sachbeschädigung und Beleidigung vor Gericht gestellt.

Ist der Ablauf der Tat inzwischen einigermaßen geklärt, gibt es zum Motiv noch keine gesicherten Erkenntnisse. Jeuken sagte: "Im Augenblick denken wir, dass es ein terroristisches Motiv sein könnte, aber wir können auch anderes nicht ausschließen."

Utrechts Bürgermeister Jan van Zanen sagte in einer Videobotschaft: "Wir gehen von einem terroristischen Motiv aus." Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte sagte: "Wenn es ein Terroranschlag ist, haben wir nur eine Antwort: Unsere Nation, Demokratie, muss stärker sein als Fanatismus und Gewalt." Die Reaktion im Land auf die Gewalttat schwanke zwischen Unglauben und Ekel. "Wir werden nie vor Intoleranz weichen." Gewalt habe unschuldige Menschen getroffen.

Ermittler zogen aber auch eine Beziehungstat in Betracht. Dafür mehrten sich die Anzeichen. Informationen des niederländischen Fernsehens zufolge vernahm die Polizei den Bruder des 37-Jährigen, ohne dass zunächst Details bekannt wurden. Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete unter Berufung auf nicht näher benannte Verwandte von Gökmen T., dass er in der Straßenbahn auf eine Frau wegen einer Familienangelegenheit geschossen habe. Dann habe er das Feuer auf die Menschen eröffnet, die der Frau hätten helfen wollen.

ulz/dpa/Reuters/AP



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