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Utrecht Schüsse in Straßenbahn - mehrere Verletzte, offenbar ein Toter

Im niederländischen Utrecht sind in einer Straßenbahn mehrere Menschen durch Schüsse verletzt worden - eine Person soll getötet worden sein. Der Schütze ist auf der Flucht.

Nach Schüssen in einer Straßenbahn in Utrecht sind mehrere Menschen verletzt worden. Eine Person soll getötet worden sein, berichteten mehrere Medien übereinstimmend. Drei Menschen seien ins Krankenhaus gebracht worden. Eine Polizeisprecherin wurde mit den Worten zitiert, man vermute, es habe einen Toten gegeben.

Die Schüsse seien im Westen der Stadt gefallen, etwa ein Kilometer entfernt von der Altstadt. Der Vorfall habe sich gegen 10.45 Uhr ereignet. Die Polizei und Anti-Terror-Einheiten sind mit starken Kräften in der Stadt unterwegs.

"Was wir auf jeden Fall wissen, ist, dass ein Täter auf der Flucht ist", sagte der niederländische Antiterrorkoordinator Pieter-Jaap Aalbersberg. Er korrigierte zudem seine frühere Aussage, wonach an mehreren Orten Schüsse gefallen sein sollen. Die Polizei schloss nicht aus, dass es mehrere Angreifer gegeben haben könnte.

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Utrecht: Polizeiermittlungen nach Schüssen in Straßenbahn

Foto: AFP/ ANP

Schulen wurden angewiesen, die Türen geschlossen zu halten. Menschen in der Stadt sollen ihre Häuser nicht verlassen. Weitere Zwischenfälle seien nicht ausgeschlossen, teilte die Stadt mit. Ein Verdächtiger sei vermutlich mit einem roten Auto geflohen, meldete die Polizei. Die Behörden gehen vorerst von einem Täter aus.

Der Sender RTV Utrecht zitierte einen Zeugen mit den Worten, er habe eine Frau nach einer Auseinandersetzung am Boden liegen sehen. Mehrere Männer seien weggerannt. Andere Augenzeugen und lokale Medien berichteten von einem zugedeckten Leichnam am Einsatzort.

Bei den Ermittlungen wird laut Polizei auch ein terroristisches Motiv geprüft. Inzwischen gilt in der Provinz die höchste Terrorwarnstufe. Die zuständige Behörde rief am Mittag die Warnstufe 5 aus. Die Polizei erhöhte die Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen, Moscheen und anderen kritischen Einrichtungen. An öffentlichen Gebäuden und am Flughafen Schiphol würden die Sicherheitsmaßnahmen besonders verstärkt, teilte die Militärpolizei mit.

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Berichten lokaler Medien zufolge ist die Antiterrorpolizei vor Ort. Mitglieder einer Spezialeinheit sollen in eine Wohnung eingedrungen sein, Schüsse seien nicht zu hören gewesen. Der Sender NOS berichtete, die Polizei habe ein Gebäude umstellt, in dem der Täter vermutet werde.

In der Stadt schlossen vorsorglich alle Moscheen. "Wir haben das in Abstimmung mit der Polizei getan", sagte der Sprecher der größten Moschee von Utrecht. Auch die Universität verriegelte alle Türen. Alle Studenten wurden aufgefordert, in den Gebäuden zu bleiben, wie die Hochschule mitteilte.

Die Umgebung rund um den Platz des 24. Oktobers ist abgesperrt, der Tramverkehr vorerst stillgelegt. Die Polizei bat die Bevölkerung über Twitter, die Rettungswege für die Einsatzkräfte freizuhalten und sich vom Einsatzort fernzuhalten. Drei Rettungshubschrauber sind im Einsatz.

Unterdessen kontrolliert die Bundespolizei an Straßen und in Zügen an der deutschen Grenze. "Wir haben unsere Fahndungsmaßnahmen hochgefahren, nachdem wir informiert wurden", sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Kleve. Alle verfügbaren Kräfte seien im Einsatz, auch Beamte der Landespolizei Nordrhein-Westfalen - schwerpunktmäßig auf der Autobahn 3.

Zudem seien auch an anderen Autobahnen, Bundesstraßen und an kleinen Grenzübergängen Beamte positioniert. "Alle Kreispolizeibehörden sind in die Fahndung nach dem Täter einbezogen", sagte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums.

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte sprach von einer sehr beunruhigenden Situation. Er war nach Angaben von Regierungsvertretern aus einer Kabinettssitzung geholt und über den Vorfall informiert worden, am Nachmittag will er eine Pressekonferenz geben.

"Wir sind bereit zu helfen"

Die politischen Parteien unterbrachen nach Berichten niederländischer Medien ihren Wahlkampf für die am Mittwoch anstehenden Wahlen für die Provinzparlamente. Es handelt sich dabei um die zweitwichtigsten Wahlen nach der Parlamentswahl. In einer der beiden Parlamentskammern wird dabei die Macht neu verteilt wird.

Utrechts Bürgermeister Jan van Zanen sagte, es handele sich um einen "abscheulichen und schwerwiegenden Vorfall". Angesichts der höchsten Terroralarmstufe in der Region wurde im niederländischen Regierungszentrum, dem Binnenhof in Den Haag, vor dem Parlament und dem Amtssitz des Ministerpräsidenten die Polizeipräsenz verstärkt.

Der belgische Regierungschef Charles Michel bot dem Nachbarland Hilfe an. "Wir sind bereit zu helfen, wo wir können", schrieb Michel auf Twitter. Die Sicherheitsbehörden würden die Situation in Utrecht genau verfolgen. "Unsere Gedanken sind bei unseren niederländischen Freunden."

Utrecht ist die viertgrößte Stadt der Niederlande mit etwa 350.000 Einwohnern. Sie liegt südöstlich von Amsterdam, etwa 75 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.

sen/mxw/dpa/Reuters/AFP
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