Massaker von Uvalde Zuständiger Polizeichef beurlaubt

Nach den tödlichen Schüssen an einer texanischen Grundschule gibt es heftige Kritik an den Einsatzkräften. Der zuständige Polizeichef ist nun vorerst nicht mehr im Dienst – wegen »weiter bestehender Unklarheiten«.
Ermittler am Taort: An der Robb Elementary School tötete ein 18-Jähriger19 Kinder und zwei Lehrerinnen

Ermittler am Taort: An der Robb Elementary School tötete ein 18-Jähriger19 Kinder und zwei Lehrerinnen

Foto: Jae C. Hong / AP

Nach schweren Vorwürfen gegen die Einsatzkräfte bei dem Massaker an Robb Elementary School im US-Bundesstaat Texas ist der zuständige Polizeichef bis auf Weiteres beurlaubt worden. Es gebe mehrere laufende Untersuchungen des Vorfalls, aber es sei unklar, wann deren Ergebnisse vorliegen würden, teilte der Leiter des Schulbezirks von Uvalde, Hal Harrell, am Mittwoch (Ortszeit) mit.

Angesichts der »weiter bestehenden Unklarheiten« habe er entschieden, Polizeichef Pete A. mit sofortiger Wirkung zu beurlauben. In seiner Erklärung ging Harrell nicht auf die Handlungen A.s während der Tat ein. Es sei ihm nicht bekannt, wann Details der Untersuchungen der Strafverfolgungsbehörden bekannt gegeben würden.

Ein 18 Jahre alter Schütze hatte Ende Mai an einer Grundschule in der Kleinstadt Uvalde 19 Kinder und zwei Lehrerinnen erschossen. Der Angreifer hatte in zwei miteinander verbundenen Klassenräumen mit einem Sturmgewehr auf die Kinder und Lehrerinnen geschossen. Erst rund 75 Minuten, nachdem der Schütze das Feuer eröffnet hatte, drangen Einsatzkräfte in den Raum vor und töteten den Täter. Die Polizei wurde wegen des zögerlichen Einschreitens heftig kritisiert.

Bei einer Anhörung im texanischen Senat hatte der Direktor der Behörde für öffentliche Sicherheit in Texas, Steven McCraw, am Dienstag gesagt, bereits drei Minuten, nachdem der Schütze einen Klassenraum betreten und das Feuer eröffnet habe, seien neun Polizisten vor dem Raum gewesen, zwei davon mit Gewehren. Weitere seien nach und nach dazugekommen. Der Einsatzleiter habe entschieden, auf Verstärkung, auf weitere Gewehre und Schutzausrüstung zu warten. Nichts von alldem wäre nötig gewesen, argumentierte McCraw.

In einer solchen Lage reiche im Zweifel ein Polizist mit einer Waffe, um den Amokläufer zu stoppen – auch wenn das ein Risiko für den Beamten darstelle. Die Polizisten vor dem Raum hätten Waffen, Schutzausrüstung und das Training für solche Situationen gehabt, die Kinder dagegen nichts davon, sagte McCraw. Dennoch hätten die Schüler und Lehrer »eine Stunde, 14 Minuten und 8 Sekunden« warten müssen, bis Einsatzkräfte in den Raum gekommen seien.

Der Einsatzleiter habe »schreckliche Entscheidungen« getroffen. Er habe entschieden, das Leben von Polizisten über das Leben von Kindern zu stellen. McCraw sprach von »elendem Versagen«.

Polizeichef Pete A., hatte zuvor in einer anderen Anhörung erklärt, dass er sich am Ort der Schießerei nie als Einsatzleiter betrachtet habe und dass er der Polizei nicht befohlen habe, sich mit dem Eindringen in das Gebäude zurückzuhalten.

bbr/dpa/AP