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Amoklauf von Winnenden: Die Tat des Tim K.

Foto: Thomas Kienzle/ AP

Vater des Amokläufers von Winnenden Angehörige der Opfer begrüßen Anklage

Die Hinterbliebenen hoffen auf Aufklärung: Der Vater des Amokläufers von Winnenden wird sich vor Gericht verantworten müssen. Jörg K. hatte Waffe und Munition unverschlossen in seinem Haus aufbewahrt, sein Sohn tötete damit 15 Menschen.

Stuttgart - Am 11. März erschoss Tim K. an seiner ehemaligen Realschule in Winnenden und auf seiner anschließenden Flucht nach Wendlingen 15 Menschen und sich selbst. Insgesamt gab der 17-Jährige 113 Schüsse ab, die Ermittler fanden weitere 171 nicht abgefeuerte Patronen an den Tatorten. Die Waffe und die Munition gehörten dem Vater von Tim K.

Die großkalibrige Pistole lag ungesichert in einem Kleiderschrank im elterlichen Schafzimmer. Der Vater, der als Mitglied eines Schützenvereins 16 Waffen besaß, hatte die Beretta nicht - wie vorgeschrieben - in einem Waffentresor aufbewahrt. Außerdem soll er seinen Sohn beim Kauf von Munition begleitet und von dessen psychischen Problemen gewusst haben.

Dafür wird sich Jörg K. jetzt verantworten müssen: Auf Weisung der Generalstaatsanwaltschaft muss die Staatsanwaltschaft Stuttgart Anklage gegen ihn erheben, wie das baden-württembergische Justizministerium am Donnerstag erklärte.

Ministeriumssprecher Stefan Wirz sagte der Nachrichtenagentur AP, damit sei klar, dass das Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung in 15 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung in 13 Fällen nicht eingestellt oder mit einem Strafbefehl abgeschlossen werden könne.

Diese Entscheidung wird von den Hinterbliebenen begrüßt. "Die Eltern sind froh, dass es zu einer Gerichtsverhandlung kommt", sagte einer der drei Opferanwälte, Jens Rabe. "Für sie geht es nicht um Bestrafung des Vaters, sondern darum, die Hintergründe des Amoklaufs bestmöglich aufzuarbeiten."

Anklage wahrscheinlich noch im November

Die Richter müssen nun entscheiden, inwieweit Jörg K. die psychische Erkrankung seines Sohnes wahrnehmen und daher vorhersehen konnte, dass Tim mit der Waffe eine Straftat begeht.

Die Anklage gegen den Vater solle wahrscheinlich noch im November erhoben werden, hieß es in Justizkreisen. Fahrlässige Tötung kann mit Geldstrafe oder mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden. Für die Strafzumessung ist wichtig, ob die gebotene Sorgfalt bewusst oder gar leichtfertig außer Acht gelassen wurde.

Die Staatsanwaltschaft wollte das Verfahren gegen den Vater von Tim K. offenbar mit einem Strafbefehl beenden. Darauf hatten die Angehörigen der Opfer des Amoklaufs empört reagiert. Mit einem Strafbefehl kann ein Richter auf Antrag der Staatsanwaltschaft höchstens eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung aussprechen.

Zunächst war unklar, ob die Staatsanwaltschaft Anklage beim zuständigen Amtsgericht Waiblingen oder beim Landgericht Stuttgart erheben will. Ein Amtsgericht kann maximal vier Jahre Haft verhängen. Für eine Anklageerhebung beim Landgericht spricht nach Angaben aus Justizkreisen die besondere Bedeutung des Falls.

siu/AP/dpa
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