Prozessauftakt im Vatikan Kardinal steht wegen Luxusimmobiliendeal vor Gericht

Der Finanzskandal um den Kauf einer Luxusimmobilie in London erschütterte den Vatikan. Jetzt beginnt der Prozess. Einer der Angeklagten, Kardinal Becciu, sieht sich als »Opfer einer ausgeheckten Machenschaft«.
Kardinal Angelo Becciu (2020)

Kardinal Angelo Becciu (2020)

Foto: Gregorio Borgia / dpa

Erstmals muss sich ein Kardinal vor Gericht im Vatikan wegen eines verlustreichen Immobiliendeals verantworten: der Geistliche Angelo Becciu. Mit Becciu sitzen ab diesem Dienstag mehrere Männer und eine Frau auf der Anklagebank. Die Justiz des Vatikans will ermitteln, welche Rolle die Beschuldigten bei dem Finanzskandal um eine Luxusimmobilie in London gespielt hatten. Mehrere Hundert Millionen Euro sollen damals für die Anschaffung, Provisionen und Deals geflossen sein. Den Personen aus Kirchen- und Laienämtern sowie der Finanzwelt werden unter anderem Amtsmissbrauch, Geldwäsche, Betrug, Unterschlagung und Korruption zur Last gelegt.

Der Strafprozess zählt zu den bislang größten im Vatikan. Kardinal Giovanni Angelo Becciu war Stellvertreter im Staatssekretariat des Vatikans, das in die Sache verwickelt sein soll. Das Staatssekretariat, die zentrale Verwaltungsbehörde im Vatikan, tritt als Nebenkläger in dem Prozess auf. Becciu bestritt die Vorwürfe: »Ich bin das Opfer einer ausgeheckten Machenschaft zu meinem Schaden.«

Entlassung »wie ein Blitz aus heiterem Himmel«

Becciu war bereits im vergangenen Jahr zurückgetreten. Seine Entlassung habe ihn »wie ein Blitz aus heiterem Himmel« getroffen, sagte Becciu damals. Der Papst habe erklärt, er könne ihm nicht mehr vertrauen. Dabei handele es sich um ein »Missverständnis«, er habe nichts Falsches getan, so der Geistliche.

Im Sommer 2019 war die Vatikanbank IOR bei finanziellen Aktivitäten misstrauisch geworden, die Behörden ermittelten. Papst Franziskus enthob Kardinal Becciu nach einem Verdacht auf finanzielle Unregelmäßigkeiten im Herbst aus seinen Ämtern.

Als Konsequenz strukturierte dieser die Finanzströme um, übertrug die Aufgabe für Kapital- und Immobilienwerte an die Güterverwaltung Apsa und entzog dem Staatssekretariat damit wichtige Zuständigkeiten. Ein Aufreger in der Sache ist zudem der Vorwurf, dass Geld aus dem Peterspfennig, der einmal jährlich weltweit gesammelten Kollekte für den Vatikan, für die Deals verwendet wurde.

lmd/dpa
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