"Vatileaks"-Prozess Ex-Papstdiener Gabriele gesteht vor Gericht

Paolo Gabriele hat vor dem vatikanischen Tribunal eingeräumt, vertrauliche Dokumente weitergegeben zu haben. Der ehemalige Kammerdiener des Papstes betonte, er habe alleine gehandelt. Eine schwere Straftat sieht er in seinem Verhalten nicht.

Paolo Gabriele (rechts) vor dem vatikanischen Tribunal: "Ohne Komplizen"
DPA/ Osservatore Romano

Paolo Gabriele (rechts) vor dem vatikanischen Tribunal: "Ohne Komplizen"


Rom - In der "Vatileaks"-Affäre hat der angeklagte Ex-Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, vor Gericht weitgehend gestanden. Er gab am Dienstag vor dem vatikanischen Tribunal zu, vertrauliche Dokumente kopiert und weitergegeben zu haben. Das berichteten vom Vatikan zugelassene Prozessbeobachter nach der Verhandlung.

"Was den schweren Diebstahl betrifft, fühle ich mich nicht schuldig", sagte Gabriele demnach. "Aber ich fühle mich schuldig, das Vertrauen missbraucht zu haben, das der Heilige Vater in mich gesetzt hatte." Er habe "ohne Komplizen" agiert und kein Geld bekommen, verfüge jedoch über zahlreiche Kontakte, sagte der Angeklagte. Die Unterlagen habe er zunächst für sich selbst kopiert, ohne eine Weitergabe ins Auge gefasst zu haben. Er habe sich ein genaueres Bild über die Vorgänge im Vatikan machen wollen, über die er Unbehagen verspürt habe. Es war vielfach über Mittäter spekuliert worden.

In der Verhandlung wurde zudem entschieden, eine Untersuchung zu den Haftbedingungen Gabrieles, über die er sich beklagte, zu eröffnen. Der 46-Jährige sprach unter anderem von "psychologischem Druck" und warf der Polizei des Heiligen Stuhls vor, ihn in der Haft misshandelt zu haben. Die ersten Wochen nach seiner Festnahme habe er in einem winzigen Raum verbringen müssen, in dem rund um die Uhr Licht gebrannt habe.

Der Prozess in der "Vatileaks"-Affäre hatte am Samstag begonnen. Am ersten Verhandlungstag wurden aber vor allem Verfahrensfragen geklärt. Unter anderem wurde der Prozess gegen Gabriele von den Verfahren gegen den ebenfalls angeklagten Informatiker Claudio Sciarpelletti getrennt. Bei Sciarpelletti waren Dokumente Gabrieles gefunden worden.

Zudem legten die drei Richter fest, dass der Privatsekretär Benedikts XVI., der Deutsche Georg Gänswein, und Cristina Cernetti, eine Haushälterin des Papstes, als Zeugen vernommen werden sollen. Wann sie befragt werden, ist bislang nicht bekannt. Noch in dieser Woche soll es weitere Anhörungen geben.

"Königreich der Heuchelei"

Gabriele muss sich wegen schweren Diebstahls verantworten. Ihm wird vorgeworfen, über Monate hinweg vertrauliche Dokumente kopiert und einem italienischen Journalisten zugespielt zu haben. Er wurde im Mai festgenommen, saß mehrere Wochen lang im Gefängnis und steht nun unter Hausarrest.

Gabriele hatte bereits gegenüber den Ermittlern zugegeben, die Geheimdokumente entwendet zu haben. Der Prozess soll allerdings auch die Frage klären, ob seine Aussagen in allen Punkten der Wahrheit entsprechen oder ob der ehemalige Diener nicht andere Beteiligte zu schützen versucht.

In einem anonym geführten Interview mit Gianluigi Nuzzi, dem Gabriele die Papiere zugespielt hatte, sagte er im Februar, es gebe "etwa 20" Gleichgesinnte im Vatikan. Nach der Festnahme Gabrieles tauchten außerdem weitere interne Dokumente aus dem Vatikan in der Öffentlichkeit auf.

Dem früheren engen Mitarbeiter des Papstes drohen bis zu vier Jahre Haft. Gabriele hofft jedoch darauf, von Benedikt XVI. begnadigt zu werden. Der verheiratete Vater dreier Kinder, der vatikanischer Staatsbürger ist, war einer der wenigen Menschen mit Zugang zu den päpstlichen Privaträumen.

Den Ermittlern in der Affäre sagte Gabriele, der stets als ergebener Diener des Papstes galt, er habe die gestohlenen Papiere weitergegeben, um "das Böse und Korruption" zu bekämpfen. Sich selbst bezeichnete er als "Mittler" des Heiligen Geistes, den Vatikan gegenüber Nuzzi als "Königreich der Heuchelei".

wit/dpa/AFP/Reuters

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theflix 02.10.2012
1.
Hat der Vatikan sein eigenes Gefaengnis?
Markus M. 02.10.2012
2.
Zitat von theflixHat der Vatikan sein eigenes Gefaengnis?
Der Vatikanstaat hat die höchste Kriminalitätsrate der Welt, wenn die Anzahl der Straftaten in Relation zur Anzahl der Einwohner gestellt wird. Hierbei handelt es sich fast ausschließlich um Kleinkriminalität wie etwa Handtaschendiebstähle. 90 Prozent der Vorfälle bleiben unbestraft, da die Täter nach Italien fliehen. Das vatikanische Gefängnis bietet nur zwei Personen Platz und wird zurzeit als Lagerraum ..... Quelle: Vatikanstadt (http://de.wikipedia.org/wiki/Vatikanstadt#Sicherheit)
KingTut 02.10.2012
3. Eindeutiger Vertrauensbruch
Ich gehe davon aus, dass der ehemalige Kammerdiener einen Arbeitsvertrag mit seinem Arbeitgeber, dem Vatikan, hatte, welcher ihn unter anderem zur Verschwiegenheit verpflichtete. Immerhin hatte er Zugang zu den Privatgemächern des Papstes. Der Heilige Vater muss ihm also uneingeschränkt vertraut haben. Wenn der Kammerdiener lt. Bericht zugegeben hat, so gehandelt zu haben, dann verdient er es, deswegen vor Gericht zu stehen. Denn auch hierzulande würde einem des Vertrauensbruchs und Diebstahls überführten Arbeitnehmer dasselbe passieren. Leider erwähnt der Bericht nicht den in einem früheren Spiegel-Online-Artikel erwähnten Scheck über 100.000 Euro sowie einen Goldklumpen, welche er ebenfalls gestohlen haben soll. Es wäre interessant, wenn man in der weiteren Berichterstattung auf dieses Thema eingehen würde, denn wenn er diese Gegenstände gestohlen hat, dann sicher nicht, um gegen irgendwelche angeblichen Machenschaften des Vatikan zu protestieren, sondern um sich persönlich zu bereichern. In diesem Sinne hoffe ich, dass die ganze Wahrheit ans Tageslicht kommt.
salomona7o 02.10.2012
4. loesungsvorschlag
Zitat von Markus M.Der Vatikanstaat hat die höchste Kriminalitätsrate der Welt, wenn die Anzahl der Straftaten in Relation zur Anzahl der Einwohner gestellt wird. Hierbei handelt es sich fast ausschließlich um Kleinkriminalität wie etwa Handtaschendiebstähle. 90 Prozent der Vorfälle bleiben unbestraft, da die Täter nach Italien fliehen. Das vatikanische Gefängnis bietet nur zwei Personen Platz und wird zurzeit als Lagerraum ..... Quelle: Vatikanstadt (http://de.wikipedia.org/wiki/Vatikanstadt#Sicherheit)
bleibt noch die altbewaehrte loesung des scheiterhaufens.... aber im ernst: der mann hat mut und das ist im vatikan eine hoch riskante wuerde.
achmed1 02.10.2012
5. Es ist ein Witz...
Zitat von sysopDPA/ Osservatore RomanoPaolo Gabriele hat vor dem vatikanischen Tribunal zugegeben, vertrauliche Dokumente weitergegeben zu haben. Der ehemalige Kammerdiener des Papstes betonte, er habe alleine gehandelt. Eine schwere Straftat sieht er in seinem Verhalten nicht. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/vatileaks-prozess-ex-papstdiener-paolo-gabriele-gesteht-vor-gericht-a-859191.html
dass über diesen Unsinn überhaupt berichtet wird. Seit Wochen arbeitet man im korrupten Vatikan daran, die Bösewicht Strategie in die Presse zu bringen. Während Insider wissen, dass Paolo nur ein HAndlanger war, ist dem Papst und seinen Schergen daran gelegen, der Welt vorzuführen, hier ist ein armer Sünder, den vestrafen wir jetzt und begnadigend dann sukzessive. Dem Manne hat man gesagt: spielst Du mit, bist Du frei!!! Die perfiden Tricks, denen sich der Vatikan seit Jahrhunderten bedient, bleiben so hinter dem Zaun.... allerdings wird es in D 2020 nur noch wenige geben, die in die Kath Kirchen wandern.... Der Zauber hat ein ende gefunden.
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