Vatileaks-Prozess Priester zu 18 Monaten Haft verurteilt

Urteil im Vatileaks-Prozess: Ein Priester und eine PR-Expertin wurden zu Haftstrafen verurteilt. Die ebenfalls angeklagten Journalisten könne man nicht belangen, hieß es vom Gericht.

Journalist Gianluigi Nuzzi mit seinem Buch "Via Crucis "
AFP

Journalist Gianluigi Nuzzi mit seinem Buch "Via Crucis "


Im sogenannten Vatileaks 2-Prozess um die Veröffentlichung geheimer Dokumente zu möglicher Geldverschwendung im Vatikan ist das Urteil gefallen. Das Gericht des Vatikans erklärte, es habe keine rechtliche Handhabe, um die beteiligten Journalisten zu verurteilen. Ein Priester und eine PR-Expertin wurden für schuldig befunden. Die Italienierin Francesca Immacolata Chaouqui bekam eine zehn Monate lange Bewährungsstrafe. Der spanische Priester Lucio Vallejo Balda soll 18 Monate in Haft.

Vor Gericht in dem Kirchenstaat standen drei Angeklagte, die Informationen an Journalisten weitergeleitet haben sollen, und zwei Journalisten, die diese publiziert haben. Priestre Balda hatte die Weitergabe geheimer Dokumente zugegeben.

Die Anklage hatte für vier der fünf Angeklagten Haftstrafen beantragt. Die PR-Expertin Francesca Immacolata Chaouqui sollte drei Jahre und neun Monate in Haft. Für den spanischen Priester Lucio Vallejo Balda wurden drei Jahre und ein Monat beantragt, für seinen Mitarbeiter Nicola Maio ein Jahr und neun Monate und für den Enthüllungsjournalisten Gianluigi Nuzzi ein Jahr Gefängnis auf Bewährung.

Bei dem fünften Angeklagten, dem Journalisten Emiliano Fittipaldi, plädierte die Anklage auf Freispruch mangels Beweisen. Die Verteidigung forderte für alle einen Freispruch.

Die Journalisten Nuzzi und Fittipaldi hatten im November Bücher veröffentlicht, in denen sie dem Vatikan unter anderem maßlose Geldverschwendung vorwerfen. Sie stützen sich dabei auf Dokumente aus der Kurie, die ihnen von den anderen drei Angeklagten zugespielt worden sein sollen. Die Angeklagten wurden beschuldigt, unerlaubt Dokumente an sich gebracht und veröffentlicht zu haben, die laut Vatikan "fundamentale Interessen des Heiligen Stuhls und des Staates betreffen".

Wegen des Prozesses steht der Vatikan in der Kritik, europäische Normen zum Schutz der Pressefreiheit zu missachten. Fittipaldi twitterte am Mittwoch: "Dies ist nicht ein Prozess gegen uns, sondern gegen die Pressefreiheit."

cnn/dpa/Reuters/AP 

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