Verbotene Liebe Vater sticht Freund der Tochter nieder

Seine Tochter hatte heimlich das Elternhaus verlassen, um mit ihrem Verlobten ein eigenes Leben zu führen: Ein Vater soll diesen Mann niedergestochen haben, weil er gegen die Beziehung war. Der 61-Jährige steht nun wegen versuchten Totschlags vor Gericht.

Albstadt/Trier - Prozess vor dem Landgericht in Trier: Ein 61-jähriger Schlosser aus Albstadt (Zollernalbkreis) war laut Anklage im Juli 2008 in Bernkastel-Kues auf den 22-jährigen Serben mit einem Messer losgegangen und hatte ihn mit einem Stich in den Bauch schwer verletzt. Ganz offensichtlich hatte der Vater nicht verkraften können, dass seine Tochter einen Tag zuvor heimlich das Elternhaus in Albstadt verlassen hatte, um bei ihrem Freund zu leben.

In einer langgeplanten Aktion hatte der 22-Jährige seine Freundin mit Zug und Taxi zu Hause abgeholt. Die Eltern wussten nichts von der zweijährigen Beziehung: "Sie hat es nicht über die Lippen gebracht, ihrer Mutter zu sagen, dass sie einen Freund hat", sagte der junge Mann vor Gericht. Da habe sie sich zum Gehen entschlossen - wenn auch mit Angst und schlechtem Gewissen.

Mit ein paar Habseligkeiten sei sie dann an einem fest verabredeten Ort ins Taxi gestiegen. Da sie die einzige von insgesamt sechs Kindern gewesen sei, die noch daheim wohnte, habe sie gefürchtet, die Eltern seien gegen ihn, sagte der 22-Jährige.

Als der Vater, der die Polizei alarmiert hatte, herausbekam, wo seine Tochter war, fuhr er ihr mit seiner Frau hinterher. Vor der Polizeiinspektion Bernkastel-Kues, wo das Paar sich gerade meldete, traf der 61-Jährige die beiden zufällig an. Er sei aus dem Wagen gesprungen, mit gezogenem Messer auf das Opfer zugerannt und habe zugestochen, hieß es in der Anklage. Nur durch das Eingreifen Dritter habe Schlimmeres verhindert werden können. Die Mutter versuchte derweil, die Tochter ins Auto zu ziehen.

Kennengelernt hatten sich die beiden über einen Internet-Chat, berichtete der Mann von der Mosel. "Wir haben seitdem jeden Tag telefoniert." Es sei ihnen klar gewesen, dass die Beziehung zunächst geheim gehalten werden musste, "weil sie (die Tochter) zu jung war". Später habe seine Freundin sich nicht getraut, "es" daheim zu sagen.

Der Angeklagte, ein Kosovare, wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Er sei vor rund 40 Jahren nach Deutschland gekommen, nachdem ihm serbische Nationalisten sein Haus weggenommen hätten. "Ich habe dort alles verloren." Über seine Tochter sagte er nur: "Sie ist mein liebstes Kind. Und sie hat mir das Herz gebrochen."

jjc/dpa/AP
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