Verbrannte Schwangere in Berlin Angeklagte schweigen zu Vorwürfen

Ein junger Mann soll in Berlin gemeinsam mit einem Freund seine schwangere Ex-Partnerin ermordet haben. Zum Prozessauftakt schwiegen die beiden Angeklagten. Laut Gericht bezichtigen sie sich gegenseitig der Tat.

Polizeiwagen an Fundort der verbrannten Leiche: Auftakt im Mordprozess
DPA

Polizeiwagen an Fundort der verbrannten Leiche: Auftakt im Mordprozess


Die Angeklagten im Mordprozess um eine verbrannte Schwangere vor dem Berliner Landgericht haben die Aussage verweigert. Die Anklage wirft dem 20 Jahre alten Vater des toten Kindes und seinem gleichaltrigen Kumpel vor, die Frau aus niederen Beweggründen grausam und heimtückisch ermordet zu haben.

Verhandelt wird vor einer Jugendstrafkammer. Die beiden 20-Jährigen, die keinen Beruf gelernt haben, sitzen in Untersuchungshaft und bezichtigen sich laut Gericht gegenseitig der Tat.

Die beiden Männer sollen die 19-Jährige im Januar in einen Wald im Südosten Berlins gelockt haben. Laut Anklage soll einer der Männer dann mit einem Teleskopschlagstock auf die Schwangere eingeprügelt haben. Dann sollen sie die Frau festgehalten und ihr jeweils einen Messerstich in den Bauch versetzt haben. Während einer das Opfer laut Anklage weiter festhielt, habe der andere Benzin aus einem Kanister auf die Schwangere geschüttet und sie mit einem Feuerzeug in Brand gesetzt.

Ermittler gehen davon aus, dass die 19-Jährige bei vollem Bewusstsein verbrannte und dass mit dem Verbrechen die Geburt des Kindes verhindert werden sollte. Die Frau war im achten Monat schwanger.

Selbst erfahrene Polizisten waren erschüttert und sprachen von einer kaum vorstellbaren Tat. Die 19-Jährige hatte den Ermittlungen zufolge einem Treffen mit ihrem Ex-Freund zugestimmt. Als dieser und sein Kumpel sie mit einem Auto abholten, hoffte sie auf Versöhnung. Sie soll sich ein gemeinsames Leben mit dem Vater ihres Kindes gewünscht haben.

In Ermittlerkreisen hieß es, Auslöser des grausamen Mordes sei vermutlich ein Schreiben des Jugendamtes gewesen. Darin sei der damals 19-Jährige aufgefordert worden, die Vaterschaft anzuerkennen. Das habe er aber auf gar keinen Fall gewollt.

Die beiden Angeklagten könnten auch bei einer Verurteilung als Heranwachsende bis zu 15 Jahre in Haft kommen. Für den Prozess sind elf Verhandlungstage angesetzt.

ulz/dpa/AFP



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