Verbrannter Asylbewerber Bundesanwaltschaft fordert Bestätigung des Jallow-Urteils

Der Asylbewerber Oury Jallow verbrannte 2005 in einer Dessauer Polizeizelle. Zwei wegen einer Mitschuld an dem Tod angeklagte Polizisten wurden freigesprochen. Nun hat die Bundesanwaltschaft eine Bestätigung des Urteils gefordert.

Der verstorbene Oury Jallow: "Die Beweiswürdigung weist keine Rechtsfehler auf"
ddp

Der verstorbene Oury Jallow: "Die Beweiswürdigung weist keine Rechtsfehler auf"


Karlsruhe - Knapp fünf Jahre nach dem Feuertod des Asylbewerbers aus Sierra Leone in einer Dessauer Polizeizelle prüft der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe, ob der Freispruch eines der beiden angeklagten Polizisten Bestand hat.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Dienstgruppenleiter und einem Kollegen vorgeworfen, am qualvollen Tod des 23-jährigen Oury Jallow eine Mitschuld zu tragen. Das Landgericht hatte die beiden Polizisten jedoch im Dezember 2008 freigesprochen. Gegen den Freispruch für den Dienstgruppenleiter wurde Revision eingelegt.

Die Bundesanwaltschaft hat am Donnerstag vor dem BGH eine Bestätigung des Urteils gefordert. "Die Beweiswürdigung weist keine Rechtsfehler auf", sagte die Vertreterin der Bundesanwaltschaft. Der vierte Strafsenat ließ dagegen Zweifel an den Feststellungen des Urteils des Landgerichts Dessau-Roßlau erkennen. Es sei fraglich, ob sich das Geschehen wirklich so abgespielt habe.

Der damals 23-jährige Jallow war in Dessau festgenommen worden, weil sich Frauen von dem alkoholisierten Mann belästigt gefühlt und die Polizei gerufen hatten. Er starb am 7. Januar 2005 in einer Ausnüchterungszelle - Todesursache war ein Hitzeschock durch einen Brand. Jallow soll das Feuer selbst gelegt haben, obwohl man ihn liegend an Händen und Füßen gefesselt hatte.

Der Richter des Landgerichts kritisierte 2008 in seinem Urteil, dass das tatsächliche Geschehen wegen widersprüchlicher Aussagen nicht habe aufgeklärt werden können.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Polizeihauptkommissar, der als Dienstgruppenleiter eingesetzt war, vorgeworfen, nicht schnell genug auf das Signal des Feuermelders in Jallows Zelle reagiert zu haben. Obwohl er für den Gewahrsamsbereich verantwortlich gewesen sei, habe er nicht sofort nach dem Ertönen des Alarmsignals Rettungsmaßnahmen eingeleitet, sondern das Alarmsignal zunächst mehrfach abgestellt. Dabei habe er mögliche Verletzungen Jallows durch Rauch und Feuer billigend in Kauf genommen.

Die Verteidiger hatten argumentiert, es habe sich um einen Unglücksfall gehandelt. Der Dienstgruppenleiter habe den Mann retten wollen, es sei ihm jedoch nicht gelungen. Die Vertreter der Eltern und Geschwister Jallows hatten sich gegen die Darstellung gewandt, dass keine andere Möglichkeit als Selbstentzündung infrage käme.

Der BGH will sein Urteil am 7. Januar verkünden.

siu/dpa



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