Verbrannter Teenager Überraschende Wende im Fall Kirk M.

Wende im Prozess um den qualvollen Tod des 17-jährigen Kirk M.: Kurz vor den Plädoyers wurde ein 20-Jähriger noch im Gerichtssaal festgenommen. Die Richter werten seine Beteiligung am Mord des Hamburger Schülers nun stärker als die der drei Angeklagten.


Hamburg - Im Prozess um den Tod eines 17-jährigen Schülers aus Hamburg hat es eine überraschende Wende gegeben: Der einzige der drei Angeklagten, der bisher noch auf freiem Fuß war, wurde am Freitag im Gerichtssaal verhaftet. Am Ende der Beweisaufnahme komme eine Mittäterschaft des 20-Jährigen in Betracht, sagte der Vorsitzende Richter am Landgericht.

Mordopfer Kirk M.: Erdrosselt und verbrannt
Polizei Hamburg

Mordopfer Kirk M.: Erdrosselt und verbrannt

Bisher sei davon ausgegangen worden, dass er sich nur der Tötung durch Unterlassen schuldig gemacht habe, weil er dem Opfer nicht geholfen habe. Als Gründe für die Verhaftung nannten die Richter den gestiegenen Fluchtanreiz nach ihrem rechtlichen Hinweis, dass der Angeklagte nun mit einer erheblich höheren Strafe zu rechnen habe.

Auf Antrag der Verteidigung wurde das Verfahren unterbrochen. Der nächste Termin ist am 14. April. Ursprünglich waren für den heutigen Freitag die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Nebenklage geplant gewesen.

Die drei angeklagten Männer im Alter von 20 bis 22 Jahren sollen den Schüler Kirk M. im April 2008 getötet und verbrannt haben. Bei dem Versuch Schulden aus Drogengeschäften einzutreiben, sollen sie ihn schwer misshandelt und erdrosselt haben. Einer der beiden älteren Angeklagten habe ihm eine Schlinge um den Hals gelegt, der andere habe ihm einen Teil einer Gemüsezwiebel in den Rachen gesteckt. Kirk erstickte langsam.

Der nun verhaftete 20-Jährige hat laut Gericht dabei durchgehend auf das Opfer eingeschlagen. "Er hielt den Tod für möglich und nahm ihn billigend in Kauf", sagte der Vorsitzende Richter.

Der 20-Jährige hatte sich wenige Tage nach der Tat bei der Polizei gestellt und die beiden Älteren der Tötung beschuldigt. Er habe die Wohnung, in der sich das Martyrium abspielte, verlassen, als Kirk noch lebte. Einer seiner Mitangeklagten hatte wiederum vor Gericht den 20-Jährigen der aktiven Tatbeteiligung bezichtigt.

In der Beweisaufnahme hätten sich neue Verdachtsmomente gegen den jungen Mann ergeben, sagte der Vorsitzende Richter am Freitag. Ebenso wie seine zwei 21 und 22 Jahre alten Mitangeklagten habe er sich möglicherweise eines gemeinschaftlichen Totschlags schuldig gemacht. "Die Sachlage (...) hat sich in gravierender Weise geändert", erklärte der Richter.

jjc/AP/dpa



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