Verdächtiger im Fall Maddie "Diese Sache hat mein Leben zerstört"

Seit Robert M. als Verdächtiger im Fall der verschwundenen Maddie gilt, ist sein Privatleben öffentlich. Britische Zeitungen breiten ungehemmt Details aus seinem Liebesleben aus. Unfreiwillige Hauptdarstellerin: die Deutsche Michaela W.


Praia da Luz - "Der Auswanderer, die deutsche Blondine und ihr Ex-Mann: Die seltsame Affäre des Madeleine-Verdächtigen" lautet die Schlagzeile in der Onlineausgabe des britischen Boulevardblatts "Daily Mail". Ein Bild von Robert M., der verdächtigt wird, mit dem Verschwinden der vierjährigen Madeleine zu tun zu haben, steht daneben. Ungepixelt, aus nächster Nähe. Im Vereinigten Königreich kennt inzwischen vermutlich jeder, der Zeitungen liest, sein Gesicht. Und auch ein Foto seiner angeblichen Geliebten, der Deutschen Michaela W., ist dort zu sehen.

Verdächtiger Robert M.: "Für mich und meine Familie ist das alles sehr schwierig"
AFP

Verdächtiger Robert M.: "Für mich und meine Familie ist das alles sehr schwierig"

Während die einen sich empören, M. und W. hätten "mit vollem Einverständnis" von W.s Ehemann zusammengelebt, konstruieren die anderen wüste Dreiecksgeschichten. SPIEGEL ONLINE erreichte Michaela W. heute Nachmittag auf ihrem Handy. Das Gespräch fiel kurz aus: "Ich habe Respekt vor der Arbeit der Presse", sagte sie, "aber es werden so viele Sachen verdreht dargestellt, dass ich auch weiterhin nichts zu den Vorgängen sagen werde." Dann legte sie auf.

Fest steht: Beweise gegen Robert M. gibt es bislang nicht. M., dessen Villa an der Algarve nur hundert Meter von dem Bungalow entfernt liegt, aus dem Maddie verschwand, war zwar 19 Stunden lang von der Polizei festgehalten worden, wurde jedoch aus Mangel an Beweisen gestern wieder auf freien Fuß gesetzt. Auch gegen Michaela W., die ebenfalls von der Polizei vernommen wurde, gibt es keine offiziellen Vorwürfe. Am 13. Tag nach dem Verschwinden der vierjährigen Madeleine fehlt von dem Mädchen - und von möglichen Entführern - jede Spur.

M. sieht sich als Opfer fehl geschlagener Ermittlungen, bezeichnet sich als "Sündenbock": "Diese ganze Sache hier hat mein Leben zerstört", sagte M. dem britischen TV-Sender Sky News. "Für mich und meine Familie ist das alles sehr schwierig. Ich kann das nur überleben, wenn sie Madeleines Entführer finden." Mehrere Verwandte M.s zeigten sich überzeugt von dessen Unschuld und sprachen von "lächerlichen" Vorwürfen.

M., der seit längerem an der Algarve lebt, war der Polizei zunächst als Übersetzer bei der Zeugenbefragung behilflich. Er soll nach einem Bericht der "Times" auch für Madeleines Eltern bei der Vernehmung gedolmetscht haben. Nach Hinweisen britischer Journalisten, die sein Verhalten am Tatort "auffällig" fanden, wurde M. vom Helfer zum "Arguido", zum Verdächtigen.

M. selbst, so berichtet die "Times", habe sich der Polizei gestellt, nachdem er bemerkte, dass sein Haus überwacht wurde. Sein Computer wurde von der Polizei beschlagnahmt, ein forensisches Team sicherte Spuren. M. sei jedoch zuversichtlich, dass man nichts Verfängliches finden werde. Er selbst gab an, zum Zeitpunkt von Maddies Verschwinden mit seiner Mutter zu Abend gegessen zu haben. Die Polizei stellte in der Villa, die M. mit seiner Mutter bewohnt, zwei Computer sowie ein Mobiltelefon sicher.

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Die vierjährige Madeleine war am 3. Mai aus der Ferienwohnung ihrer Familie an der Algarve-Küste verschwunden, während die Eltern Gerry und Kate in einem nur wenige Meter entfernten Restaurant zu Abend aßen. Ihre zweijährigen Geschwister Sean und Amelie fanden die Eltern friedlich schlafend in ihren Betten vor. Die Eltern sind nach dem Verschwinden des Mädchens in Portugal geblieben und warten verzweifelt auf neue Nachrichten.

Für Hinweise, die die Fahnder auf die Spur des Kindes bringen könnten, ist eine Belohnung in Millionenhöhe ausgesetzt. Die Polizei brach die Suche nach Madeleine in der vergangenen Woche ab, verfolgt aber mehrere Spuren. Sie geht von einer Entführung aus und schließt nicht aus, dass Madeleine ins Ausland verschleppt wurde.

jdl/ffr/dpa/AFP/AP/Reuters



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