Alleingelassenes Baby verdurstet Mutter weist Mordvorwurf zurück

Sie ließ ihr Baby tagelang allein, das vier Monate alte Mädchen verhungerte und verdurstete: Nun muss sich die Mutter vor Gericht wegen Mordes verantworten. Sie habe das Kind im Drogenrausch vergessen, sagte die 22-Jährige zu Prozessbeginn.

Mutter des verdursteten Säuglings: "Ich habe Angst gehabt, dass etwas passiert ist"
DPA

Mutter des verdursteten Säuglings: "Ich habe Angst gehabt, dass etwas passiert ist"


Arnsberg - Die Mutter feierte im Drogenrausch, ihre vier Monate alte Tochter verhungerte und verdurstete. Die Frau hatte das Kind allein in der Wohnung im westfälischen Soest zurückgelassen. Nun muss sich die 22-Jährige vor dem Arnsberger Landgericht verantworten. Beim Prozessauftakt räumte sie ein, sich mehrere Tage lang nicht um den Säugling gekümmert zu haben. Den Mordvorwurf der Staatsanwaltschaft wies sie aber zurück. Sie habe nicht gewollt, dass das Mädchen stirbt.

Für einige Stunden habe sie im November 2013 zu einer Halloween-Party ins 50 Kilometer entfernte Münster fahren wollen. Zuvor habe sie ihre Tochter gewickelt und gefüttert. "Ich habe sie hingelegt und habe sie dann vergessen", sagte die Frau mit leiser Stimme. In einer Disco habe sie Drogen konsumiert und sei dann mehrere Tage im Rausch gewesen. "Ich habe für 300 Euro Ecstasy und Amphetamin gekauft." Erst nach drei Tagen habe sie daran gedacht, dass ihre Tochter allein war. "Ich habe Angst gehabt, dass etwas passiert ist."

Als sie zurück in die Wohnung kam, war es schon zu spät. "Sie lag auf dem Bett und war tot." Sie habe sich zu ihrer Tochter gelegt und sei am nächsten Tag wieder nach Münster gefahren. Erst zwei Wochen später kam sie nach Soest zurück. Das tote Baby wurde schließlich entdeckt, weil einem Betreuer der 22-Jährigen Ungereimtheiten aufgefallen waren und er das Jugendamt informiert hatte.

"Das hat für mich schon etwas Gruseliges"

Immer wieder betonte die junge Frau, dass sie den Tod ihrer Tochter nicht geplant habe. Doch der Vorsitzende Richter meldete Zweifel an. Denn die Angeklagte hatte mehreren Menschen erzählt, dass ihre Tochter an einem Hirntumor leide und sterben werde. "In solchen Momenten wollte ich Aufmerksamkeit", sagte die 22-Jährige. Bei einem Beerdigungsinstitut soll sie sich sogar mit einer Bekannten nach Beisetzungsmöglichkeiten erkundigt haben. "Das hat für mich schon etwas Gruseliges", sagte der Richter.

Laut dem Gutachten eines Rechtsmediziners war das Mädchen wohl schon vor seinem Tod vernachlässigt worden. Der Gutachter hatte bei der Säuglingsleiche eine Unterernährung festgestellt, die darauf hindeute, dass das Mädchen schon etwa zwei Wochen lang nicht ausreichend versorgt worden war. Möglicherweise sei das Baby schon entkräftet gewesen.

Die Anklage wirft der 22-Jährigen Grausamkeit vor. Deshalb wollte das Gericht wissen, ob ein Tod durch Verdursten grausam sei. Der Rechtsmediziner bestätigte das. Durst sei zwar nicht schmerzhaft. "Aber wir als Erwachsene würden alles tun, um an Flüssigkeit zu kommen. Das kann ein Säugling ja nicht."

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Insgesamt sind sechs Verhandlungstage geplant. Ein Urteil will das Schwurgericht Anfang Juli sprechen.

wit/dpa



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