Vergewaltigungsprozess TV-Moderator Türck bestreitet Vorwürfe

Vor dem Frankfurter Landgericht ist der Prozess gegen den TV-Moderator Andreas Türck eröffnet worden. Der Angeklagte widersprach den Vorwürfen, er habe nach einem Discobesuch eine Frau auf einer Brücke zum Oralsex gezwungen. Türcks Anwältin griff Gericht und Ermittler scharf an.


Angeklagter Andreas Türck (Mitte) mit seinen Anwälten Rüdiger Waithaas und Susanne Wagner: "Ich bin unschuldig"
DDP

Angeklagter Andreas Türck (Mitte) mit seinen Anwälten Rüdiger Waithaas und Susanne Wagner: "Ich bin unschuldig"

Frankfurt am Main - Verteidigerin Susanne Wagner warf dem Gericht und den Ermittlern einseitige Untersuchungen und eine Vorverurteilung ihres prominenten Mandanten vor. Die Anwältin stellte einen Befangenheitsantrag gegen die Vorsitzende Richterin Bärbel Stock und einen der Beisitzer. Die Strafkammer will die Entscheidung über den Antrag an einem der nächsten Verhandlungstage verkünden.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat der Moderator am 25. August 2002 Katharina B. vergewaltigt, nur wenige Meter von zwei Bekannten entfernt und mitten auf einer Brücke in Frankfurt. Nach dem erzwungenen Oralsex soll Türck die junge Frau gewürgt und ihren Kopf mindestens einmal gegen das Brückengeländer geschleudert haben.

Türck bestreitet nicht, mit der Frau Sex gehabt zu haben, der allerdings von beiden Seiten aus freiwillig gewesen sei. Den Lügendetektortest hat er bestanden. "Ich lege Wert auf die Feststellung, dass ich unschuldig bin", sagte der 36-Jährige. Ansonsten zog er es vor zu schweigen. Seine Anwältin warf der Staatsanwaltschaft "unverzeihlich schlampige Ermittlungen" vor. Es seien keine DNA-Spuren an der Brücke gesichert worden. Ebensowenig seien die angeblichen Verletzungen des Opfers untersucht oder der Blutalkohol getestet worden. Dies sei geschehen, obwohl B.s Freundin an dem Abend gesagt habe, "Kati ist voll".

Zudem ergibt sich nach Ansicht der Verteidigung aus diversen Telefonaten und SMS mit Bekannten aus der Drogenszene, dass die Klägerin gelegentlich Kokain und Speed genommen habe. Die damals 26-Jährige sei zum fraglichen Zeitpunkt in einem desolaten Zustand gewesen. Die zierliche Frau mit den langen dunklen Haaren soll nur 44 Kilogramm gewogen haben und depressiv gewesen sein, behaupten Türcks Verteidiger. Freunden hatte sie erzählt, sie habe gezittert, sei zu Hause "umgekippt" und habe des öfteren "Blut gespuckt". Ein Gutachten bestätigt psychische Probleme. Was an dem Abend geschehen ist, kann sie nur lückenhaft wiedergeben.

Katharina B. wandte sich nach der angeblichen Tat weder an die Polizei noch an die Medien, sondern vertraute sich einem Freund am Telefon an. Was sie nicht wusste: Die Drogenfahnder waren hinter dem Mann her und hörten mit. Die Verteidigung forderte heute mehrfach, die Abhörprotokolle herauszugeben, um Details über Katharina B. herauszufinden. Die Staatsanwaltschaft lehnte dies ebenso ab wie B.s Anwältin Friederike Vilmar: Sie habe den Verdacht, ihre Mandantin solle diffamiert werden, sagte sie. Richterin Bärbel Stock lehnt den Antrag ab, da die Protokolle im Rahmen eines anderen Verfahrens erstellt wurden und daher nicht zugelassen seien.

Der 37-jährige frühere Freund des Angeklagten, der während des mutmaßlichen Verbrechens ebenfalls auf der Brücke gestanden hatte, sagte vor der 27. Strafkammer des Frankfurter Landgerichts, die beiden Frauen seien leicht angetrunken gewesen, hätten heftig geflirtet und ihm gezeigt, dass sie keine Unterwäsche trügen. Eigentlich habe der noch nüchterne Türck nach Hause gewollt. Die beiden Frauen hätten sie jedoch überredet, noch eine andere Bar zu besuchen.

Auf einer Brücke habe man gehalten und sei ausgestiegen, berichtete der 37-jährige Zeuge. Dann sei alles "relativ schnell" gegangen, sagte Ralf S. "Kati hat vor Andreas gekniet. Das war offensichtlich, was da passierte." Er sei ebenso wie die Freundin überrascht gewesen, weil er sich Chancen bei der Frau ausgerechnet hatte. Kati habe gegenüber Türck keinen Widerstand geleistet. "Wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass da Gewalt im Spiel gewesen wäre, wäre ich eingeschritten", beteuerte Ralf S. Er sei inzwischen nicht mehr mit Türck befreundet, weil sie vor zwei Jahren "die gleichen Interessen bei einer Frau" verfolgt hätten.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Zunächst sind insgesamt zehn Verhandlungstage angesetzt.



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