Auschwitz-Prozess Gröning geschwächt - Verhandlungstag fällt aus

Der frühere SS-Mann Oskar Gröning ist zu krank, um vor Gericht zu erscheinen. Erneut muss ein Verhandlungstermin ausfallen. Zuvor berichtete eine Auschwitz-Überlebende von den schrecklichen Experimenten des Josef Mengele.

Angeklagter Oskar Gröning: Angeschlagene Gesundheit
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Angeklagter Oskar Gröning: Angeschlagene Gesundheit


Erneut muss im Auschwitz-Prozess vor dem Lüneburger Landgericht ein Verhandlungstag wegen des schlechten Gesundheitszustands des Angeklagten ausfallen. Das teilte das Gericht mit. Der frühere SS-Mann Oskar Gröning sei "nach den Feststellungen des vom Gericht beauftragten medizinischen Sachverständigen" für den Prozesstag am Mittwoch nicht verhandlungsfähig. Nun gehe es erst in der kommenden Woche am 9. Juni weiter.

Bereits Anfang Mai hatte das Gericht sich entschieden, mehrere Termine auszusetzen. Der 93-jährige Gröning war zu schwach gewesen, um das Bett zu verlassen.

Gröning muss sich wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen während der "Ungarn-Aktion" im Sommer 1944 verantworten. Der 93-Jährige hatte sich zu Prozessbeginn zu seiner moralischen Mitschuld bekannt.

Am Dienstag berichtete vor Gericht die Auschwitz-Überlebende Angela Orosz-Richt über die Menschenversuche des Lagerarztes Josef Mengele. Dieser habe an ihrer Mutter, die mit ihr im siebten Monat schwanger war, Sterilisierungsexperimente vorgenommen, sagte Orosz-Richt als Zeugin vor dem Landgericht. Immer wieder seien ihrer Mutter brennende Substanzen injiziert worden. "Direkt dahinter war der Fötus, das war ich", sagte die aus Montreal angereiste 70-Jährige. "Diese Experimente sind der Grund dafür, dass ich keine Brüder oder Schwestern habe."

Immer wieder sprach Orosz-Richt, die nach eigenen Worten als eines von zwei Babys das Konzentrationslager überlebte, den angeklagten Gröning direkt an. "Wir weinen immer noch über die, die Sie von uns genommen haben, Herr Gröning. Wie kann ich je vergeben?"

gam/dpa/AP

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