Verhungertes Baby in Hamburg Lara-Mias Eltern unter Verdacht

Im Fall des in Hamburg gestorbenen Babys Lara-Mia hat die Polizei die jungen Eltern vorläufig festgenommen. Sie stehen im Verdacht, das neun Monate alte Kind vernachlässigt zu haben. Eine Obduktion soll im Lauf des Tages klären, ob die Kleine verhungert ist.

Hamburg - Wieder ein totes Kind. Wieder in Hamburg. Wieder verhungert. Im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg haben Polizei und Feuerwehr am Mittwoch nach dem Notruf der Eltern ein totes Baby entdeckt. Lara-Mia, neun Monate alt. Nach erstem Augenschein gehen die Mediziner davon aus, dass das Kind verhungert und verdurstet ist. Genaues soll im Lauf des Donnerstags eine Obduktion klären.

Dem Sprecher der Staatsanwaltschaft Hamburg, Wilhelm Möllers, zufolge soll das Ergebnis der Untersuchung bereits am Nachmittag vorliegen. "Wir haben massive Anhaltspunkte für eine Mangelernährung." Es müsse aber ausgeschlossen werden, dass eine Krankheit der Grund für die Unterernährung sei. Vor der Obduktion sollte das Kind zudem geröntgt werden, um eventuelle Knochenbrüche zu erkennen.

Die Eltern des Mädchens wurden noch am Mittwochabend, wenige Stunden nach dem Fund der Leiche, vorläufig festgenommen. Der Verdacht gegen die 18-jährige Mutter und ihren drei Jahre älteren Lebensgefährten wiegt schwer: Tötungsdelikt durch Unterlassen. Die Beamten hätten die beiden bis in die späten Abendstunden vernommen, berichtete ein Sprecher. Zum Inhalt ihrer Aussage wollte er jedoch keine Angaben machen. Ob sie in Untersuchungshaft genommen werden, entscheidet sich in den nächsten Stunden.

Den Beamten der Polizei und der Feuerwehr soll sich beim Fund der Leiche ein schreckliches Bild geboten haben. Berichten zufolge war das kleine Mädchen viel zu dünn, dehydriert und vernachlässigt. Die Familie war der Behörde laut Polizei bereits bekannt. Die junge Mutter wurde nach Informationen des "Hamburger Abendblatts" bereits seit April 2008 intensiv betreut: Sozialpädagogen halfen im Auftrag des Bezirks Mitte fünf Stunden pro Woche zu Hause. Bei ihrem letzten Besuch am 3. März sei das Mädchen wohlauf gewesen, habe gegessen und gelacht. Warum seitdem niemand in der Wohnung war, ist bisher unklar.

Der Fall weckt Erinnerungen an den Tod der siebenjährigen Jessica. Das Mädchen war im Jahr 2005 nach einem langen Leidensweg gestorben. Die Eltern hatten das Kind in einem verdunkelten Zimmer eingesperrt und dort verhungern lassen. Jessica aß zuletzt Teppichflusen und ihre eigenen Haare. Sie wog am Ende ihres Lebens weniger als zehn Kilo.

ler/dpa/AP
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