Vermisste Mädchen Polizei findet Kinderleichen in Lüttich

Mehr als zwei Wochen haben Dutzende Polizisten und Freiwillige nach den verschwundenen Mädchen Stacy und Nathalie aus Lüttich gesucht. An einer Bahnstrecke fanden die Ermittler jetzt die sterblichen Überreste von Stacy. Wenig später entdeckten sie die Leiche ihrer Stiefschwester.


Brüssel - Nach Angaben des flämischen Rundfunks VRT handelt es sich bei der zweiten Leiche um die zehn Jahre alte Nathalie, die Stiefschwester von Stacy. Deren Leiche war am Vormittag in einer Entfernung von 20 Metern entdeckt worden. Beide seien einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Zum genauen Fundort der toten Mädchen gibt es unterschiedliche Angaben. Laut der Nachrichtenagentur dpa lagen sie unter zwei Kanaldeckeln. AP meldet, die Leichen hätten in hoch gewachsenem Gras gelegen. Sie werden nun in der Rechtsmedizin untersucht.

Ministerpräsident Guy Verhofstadt sagte in einer Fernsehansprache, die Suche nach dem oder den Mördern habe absolute Priorität. "Ich kann Ihnen versichern, dass keiner von ihnen davonkommen wird", erklärte er. Visart sagte, es sei alles getan worden, um die Mädchen lebend zu finden. Trauernde brachten Blumen, Teddybären und weiße Luftballons an den Fundort. Der Ministerpräsident der Region Wallonien, Elio Di Rupo, sprach von einem "neuen schwarzen Tag für Belgien."

Die leblosen Körper wurden nach Angaben der Ermittler an einer Bahnstrecke in Lüttich 500 Meter entfernt von der Stelle gefunden, wo die Kinder vor zweieinhalb Wochen verschwunden waren. Wie lange die Kinder schon tot sind, soll bei der Obduktion festgestellt werden. Der Todeszeitpunkt liege aber offenbar schon länger zurück, sagte Untersuchungsrichterin Pascale Goossens.

Stacy war in der Nacht zum 10. Juni gemeinsam mit Stiefschwester Nathalie verschwunden. Die Kinder hatten vor einem Café auf der Straße gespielt, in dem ihre Eltern mit Freunden saßen.

Wenige Tage nach ihrem Verschwinden wurde ein Verdächtiger festgenommen. Der wegen sexuellen Kindesmissbrauchs vorbestrafte Mann sitzt seitdem in Haft, leugnet jedoch jede Verwicklung. Nach Angaben der Polizei wurden die Leichen ohne Mithilfe des Mannes gefunden. Nach Einschätzung der Ermittler ist der Verdächtige "ein Psychopath, der nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden kann". Von der Polizei befragt wurden auch Stacys Vater und Nathalies Mutter, die eine Liebesbeziehung haben.

Die niederländische Zeitung "De Telegraaf" übergab der Polizei einen anonymen Brief, in dem zwei Karten den mutmaßlichen Fundort der Leichen zeigten. Die Zeitung berichtete auf ihrer Website, die markierte Stelle liege rund zwei Kilometer vom tatsächlichen Fundort entfernt, allerdings an derselben Bahnstrecke. Die Polizei in Amsterdam erklärte, sie habe den Brief an die Kollegen in Belgien weitergeleitet.

Das Schicksal der beiden Kinder weckte in Belgien böse Erinnerungen an den Fall des Kinderschänders Marc Dutroux. Er hatte vor elf Jahren im Raum Lüttich sechs Mädchen entführt. Zwei brachte er um, zwei weitere verhungerten in einem Verlies im Keller. Dutroux hatte die Kinder über Wochen gefangen gehalten und immer wieder vergewaltigt.

ffr/dpa/AFP/reuters



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