Vermisste Sarah E. in London Polizist unter Mordverdacht soll schon vorher aufgefallen sein

Eine Frau verschwand auf dem Heimweg in London – ein Elitepolizist soll sie entführt und getötet haben. Nun wurden neue Vorwürfe gegen den Mann bekannt, die Ermittlungen wurden womöglich nachlässig geführt.
Suche nach Sarah in London (Archivbild vom 9. März)

Suche nach Sarah in London (Archivbild vom 9. März)

Foto: Chris J Ratcliffe / Getty Images

In den Fall einer mutmaßlich von einem Polizisten getöteten Frau in London hat sich die Aufsichtsbehörde eingeschaltet. Dem IOPC liegen mehrere Hinweise auf Fehlverhalten der Metropolitan Police in dem Fall vor, teilte die Behörde mit .

Sarah E. war vor gut einer Woche in Südlondon spurlos verschwunden. Ein 48 Jahre alter Polizist einer Spezialeinheit steht unter Verdacht, die Frau entführt und getötet zu haben. Die Ermittler haben in der Grafschaft Kent bereits eine Leiche gefunden, die allerdings noch nicht identifiziert ist.

Nun muss sich die Londoner Met einer Ermittlung des IPOC stellen, das mutmaßlichen Verfehlungen bei Polizeibehörden nachgeht. Der tatverdächtige Polizist soll sich drei Tage vor dem Verschwinden von Sarah E. in einem Londoner Fast-Food-Restaurant vor einer anderen Frau entblößt haben, wie der »Guardian« berichtet .

Das IOPC prüft nach eigenen Angaben, ob die Met »angemessen« auf die Anzeige reagiert habe. Die anderen Hinweise betreffen laut BBC  die Festnahme des Polizisten, das Vorgehen der Met nach der Vermisstenmeldung Sarah E.s und die Verletzung des Verdächtigen in Haft.

Einsatz in der Downing Street

Er war am Donnerstag vorübergehend wegen einer Kopfverletzung im Krankenhaus behandelt worden, die er sich offenbar in der Haft zugezogen hatte. Die Polizei gab dazu keine Details bekannt.

Der Polizist wurde am Freitag weiter verhört. Ob er sich zu den Vorwürfen eingelassen hat, ist nicht bekannt. Er ist Mitglied der Einheit, die britische Politiker und Diplomaten schützt. Sie untersteht der Direktion für Spezialoperationen. Der BBC zufolge war er auch in der Downing Street, dem Westminister Palast und ausländischen Botschaften im Einsatz.

Eine wegen Beihilfe festgenommene Frau kam gegen Kaution auf freien Fuß. Es soll sich um die Ehefrau des Verdächtigen handeln.

»Tiefe Trauer«

Der Fall berührt und empört viele Briten, Premier Boris Johnson hat bereits seine »tiefe Trauer« bekundet. An diesem Samstag planen landesweit Tausende Frauen eine Mahnwache.

Nachdem die Polizei gewarnt hatte, die Versammlungen verstießen gegen Corona-Regeln, sammelte die Initiative »Reclaim These Streets« (»Holt Euch diese Straßen zurück«) bis Freitagmorgen mehr als 37.000 Pfund, rund 43.200 Euro, für mögliche Anwaltsgebühren ein.

Die Gruppe kündigte an, Klage zu erheben. Falls sie Erfolg habe, wolle sie das Geld einer Wohltätigkeitsorganisation spenden. »Andernfalls werden wir gezwungen sein, die Mahnwache abzusagen, und keine Frau in England wird sich versammeln können, um ihre Rechte geltend zu machen.«

Der Fall hat ein Schlaglicht auf Gewalt gegen Frauen geworfen. In sozialen Netzwerken schilderten zahlreiche Nutzerinnen ihre Ängste und Befürchtungen, wenn sie abends oder nachts allein unterwegs sind.

jpz/dpa
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