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Vermisste Studenten in Mexiko Ermittler fahnden nach Bürgermeister

43 Studenten sind in Mexiko verschwunden - nun zeichnet sich ab: Die Behörden sind tief in den Fall verstrickt. Der Bürgermeister der Stadt Iguala ist untergetaucht, die Staatsanwaltschaft hält ihn für den Drahtzieher.

Mexiko-Stadt - Die Bande "Guerreros Unidos" zahlte dem Bürgermeister von Iguala monatlich Hunderttausende Dollar Schmiergeld und herrschte faktisch über die mexikanische Stadt: Zu diesem Ergebnis sind Ermittler gekommen, die versuchen, das Verschwinden von 43 Studenten aufzuklären.

Laut Generalstaatsanwaltschaft sind der Bürgermeister und dessen Frau für die Tat verantwortlich. José Luis Abarca habe als "Mastermind" die örtliche Polizei und Mitglieder der "Guerreros Unidos" angewiesen, die jungen Leute abzufangen, sagte Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam.

Zeugen hätten ausgesagt, eine als A5 identifizierte Person habe das harte Vorgehen gegen die Studenten befohlen. Mit diesem Kürzel wird in der internen Kommunikation der Stadtverwaltung von Iguala der Bürgermeister bezeichnet. Offenbar wollte er verhindern, dass die Studenten eine Rede seiner Frau als Vorsitzende des lokalen Familien- und Kinderschutzbundes störten.

María de los Ángeles Pineda Villa stammt aus einer Drogenhändlerfamilie und ist nach Einschätzung der Ermittler die örtliche Chefin der "Guerreros Unidos". Der Bürgermeister, seine Ehefrau und der Sicherheitschef von Iguala sind untergetaucht. Gegen sie wurde Haftbefehl erlassen. Insgesamt wurden bislang 52 Polizisten, Verwaltungsmitarbeiter und Bandenmitglieder festgenommen.

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Mexiko: Der Fall Iguala

Foto: Alejandrino Gonzalez/ AP/dpa

Am 26. September hatte die Polizei mehrere Busse der Studenten in Iguala gestoppt und das Feuer eröffnet. Dabei kamen sechs Menschen ums Leben, darunter auch Unbeteiligte. 43 Studenten des linken Lehrerseminars Ayotzinapa wurden verschleppt. Von ihnen fehlt bis heute jede Spur.

Drogenbande entschied über Vergabe von Polizeiposten

Es mehren sich die Hinweise, dass die jungen Leute nicht mehr am Leben sind. Offenbar übergaben die Polizisten die Studenten an die "Guerreros Unidos", die sie wiederum für Mitglieder der verfeindeten Gang "Los Rojos" hielten. Der in der vergangenen Woche gefasste Chef der "Guerreros Unidos", Sidronio Casarrubias Salgado, habe daraufhin angeordnet, "das Territorium zu verteidigen", sagte Staatsanwalt Murillo Karam.

Der Bandenchef habe im Verhör tiefe Einblicke in die kriminellen Strukturen und die Unterwanderung der Behörden in Iguala gegeben, sagte Murillo Karam weiter. Die "Guerreros Unidos" hätten quasi direkt über die Vergabe von Posten in der örtlichen Polizei entschieden. Bürgermeistergattin Pineda Villa habe aus dem Rathaus heraus die kriminellen Aktivitäten in der Stadt geleitet.

Fahnder fanden vor den Toren von Iguala zwei weitere Tote, deren Identität nun überprüft wird. Bei 28 in Massengräbern entdeckten Leichen handelt es sich nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft nicht um die Vermissten. Die Suche nach den Studenten wurde ausgeweitet, zudem wurde eine Belohnung ausgesetzt.

Aus Solidarität mit den Verschleppten demonstrierten am Mittwoch in ganz Mexiko Tausende Menschen. In Guanajuato, Cuernavaca und Guadalajara forderten die Demonstranten Aufklärung über das Schicksal der jungen Leute. Im Bundesstaat Chiapas im Süden des Landes entzündeten Mitglieder der zapatistischen Guerillaorganisation EZLN am Wegesrand Kerzen und Lagerfeuer in Gedenken an die Studenten.

In der Provinzhauptstadt Chilpancingo drangen Kommilitonen der Vermissten in Verwaltungsgebäude der Bundesregierung ein und verbrannten ein Foto von Präsident Enrique Peña Nieto. In Iguala steckten Vermummte das Rathaus in Brand. "Dieses Gebäude taugt nichts mehr. Der ganze Apparat steht im Dienste der Drogenhändler", rief ein Demonstrant.

ulz/dpa/AP