Vermisster Mirco Ermittler gehen von Täter aus der Region aus

Fast zwei Wochen nach Mircos Verschwinden gibt es noch immer keine heiße Spur von dem Zehnjährigen. Ein Polohemd, eine Hose - das ist alles, was die Ermittler bislang vorweisen können. Profiler der Polizei sind sich allerdings sicher: Der mutmaßliche Entführer stammt aus der Region.

DPA

Grefrath - Spezialisten der Polizei gehen davon aus, dass der Entführer des zehnjährigen Mirco am Niederrhein wohnt. "Das ist der nette, unauffällige Nachbar von nebenan. Er wohnt mitten unter Ihnen. Wir glauben fest, dass er aus der Region kommt", sagte Polizeisprecher Willy Theveßen.

Daher sei jedes auffällige Verhalten für die Ermittler immens wichtig: "Wer ist später als gewöhnlich nach Hause gekommen? Wer hat noch nachts sein Auto gesäubert? Wer ist Schleichwege gefahren?"

Sogenannte Profiler, offiziell Fallanalytiker genannt, haben den Tathergang analysiert und Rückschlüsse auf den Täter gezogen. Aus ermittlungstaktischen Gründen wollte die Polizei nicht sagen, ob sie weitere Kleidungsstücke Mircos gefunden hat. Am Mittwochabend hatte sie bekanntgegeben, dass auch Mircos graues Polohemd auf dem Parkplatz lag, auf dem bereits seine Sporthose entdeckt worden war. Die DNA-Analysen dauern an.

Mirco war am 3. September verschwunden, zuerst wurde sein Fahrrad gefunden, dann seine Hose. Die Ermittler gehen von einer Entführung in einem Auto aus. "Der Täter hat Mirco wahrscheinlich in seine Gewalt gebracht und dann das Fahrrad ins Feld geschmissen", sagte Kommissionsleiter Ingo Thiel.

Inzwischen seien Dutzende Männer überprüft worden, die schon einmal einschlägig aufgefallen sind. "Ein Täter fängt in der Regel nicht mit so einer Tat an, sondern hat eine Vorgeschichte." Unter den Überprüften seien auch aus der Sicherungsverwahrung entlassene Sexualverbrecher, hieß es.

Am Donnerstag rückten erneut 200 Polizisten aus, um das Gebiet abzusuchen, in dem Mircos Handy vor fast zwei Wochen zuletzt geortet worden war. Die Geländesuche sollte am Donnerstag abgeschlossen werden. "Eine Hundertschaft bleibt aber abrufbereit, falls sich neue Anhaltspunkte ergeben", sagte Theveßen.

40 neue Hinweise nach TV-Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst"

Nach der Schilderung des Falls in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst" waren am Mittwochabend fast 40 weitere Hinweise eingegangen. "Auf den ersten Blick war die sogenannte heiße Spur leider noch nicht dabei", sagte Theveßen. "Jetzt müssen wir im Nachgang die Hinweise bewerten, ob sie uns weiterbringen."

Besonders hoffen die Ermittler auf eine Spur zu einem Auto, das am Tag des Verschwindens von Mirco nach 22 Uhr auf der Landstraße 39 zwischen Grefrath und Wachtendonk unterwegs gewesen sein soll. Der Parkplatz, auf dem Kleidungsstücke des Jungen entdeckt wurden, liegt an einer Abzweigung der Straße. "Da muss ein Pkw nach unseren Erkenntnissen auffällig gefahren sein, sprich auffällig langsam gefahren sein oder am Straßenrand angehalten haben", sagte Theveßen.

Die Polizei will auch Hinweisen aus den Niederlanden nachgehen, wo der Fall am Dienstag ebenfalls Thema einer Fernsehsendung war. Daraufhin hatte es etwa 30 Hinweise gegeben.

Der Sprecher warnte vor zu großen Erwartungen, dass Mirco noch lebend gefunden werden könne: "Mit jedem Tag, der verstreicht, wird die Hoffnung natürlich geringer." Inzwischen sind rund 800 Hinweise von Bürgern bei der 80-köpfigen Sonderkommission "Mirco" eingegangen. Insbesondere sucht die Polizei weiter nach dem Mobiltelefon des Jungen.

kng/dpa



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