Vermisstes Mädchen Maddies Mutter im Visier der Ermittler

Aufregung im Fall Madeleine: Kate McCann ist erneut elf Stunden lang von der portugiesischen Polizei vernommen worden. Inzwischen geht auch die 39-Jährige davon aus, heute zur Verdächtigen erklärt zu werden. Bislang hatten die Ermittler sie nur als Zeugin befragt.


Lissabon - Kate McCann ist inzwischen wieder in der Zentrale der Kriminalpolizei in Portimão eingetroffen, wo das Verhör von gestern fortgesetzt werden soll. Anschließend soll auch Madeleines Vater, Gerry McCann, erneut vernommen werden. Das britische Ärzte-Ehepaar wird damit erstmals getrennt befragt.

Die BBC berichtete derweil, KateMcCann solle heute von der portugiesischen Polizei als Verdächtige eingestuft werden. Auch Ehemann Gerry werde im Laufe des Tages seinen Status als Zeuge in dem Ermittlungsverfahren verlieren, meldete die britische Tagszeitung "The Sun".

Ein Sprecher der Familie sagte dem "Guardian" sowie der BBC, Kate McCann rechne selbst damit, zur Verdächtigen erklärt zu werden. Das ermögliche es den Ermittler, bestimmte Fragen zu stellen, auf die die 39-Jährige dann eine Aussage verweigern dürfe. Wie die BBC erfuhr, haben die Ermittler Kate McCann mitgeteilt, sie hätten 22 Fragen an sie, die sie ihr heute stellen wollten. Das Ehepaar hatte bislang stets bestritten, etwas mit dem Verschwinden seiner Tochter zu tun zu haben.

Die Einstufung als "Arguido" (Verdächtiger) bedeutet jedoch nicht, dass Kate McCann festgenommen wird oder unter Anklage steht. Nach portugiesischem Recht darf sie als offiziell Verdächtige die Aussage verweigern und kann Ansprüche auf Vertretung durch ihre Anwälte geltend machen.

"Manchmal, wenn die Polizei jemanden verdächtigt, vernehmen sie ihn zunächst als Zeugen", sagte der portugiesische Anwalt Artur Rego der BBC. "Sie stufen ihn nicht als Verdächtigen ein, um so viele Informationen wie möglich von ihm zu gewinnen. Als Zeuge muss er mit der Polizei zusammenarbeiten."

Kate McCann sei "völlig geschockt und überrascht, aber sie ist ruhig und gefasst", sagte ein Freund der Familie der BBC. Er habe am Morgen mit ihr gesprochen. Sie sei vor allem darüber erschüttert, dass die Polizei nun offenbar nicht mehr nach Madeleine suche.

Nach Berichten britischer Medien gehen die Ermittler inzwischen davon aus, dass das Mädchen nicht mehr am Leben ist. In Londoner Zeitungen wurde heute erneut über mögliche Verdachtsmomente der Polizei gegen die Eltern von Madeleine spekuliert. So will die Boulevardzeitung "Sun" erfahren haben, dass Ermittler auch der Vermutung nachgehen, die beiden Ärzte hätten ihrer Tochter versehentlich eine Überdosis Beruhigungsmittel verabreicht und sie unabsichtlich getötet.

Zuvor hatten die Ermittler bekanntgegeben, dass vier Monate nach Madeleines Verschwinden aus einer portugiesischen Ferienanlage ein britisches Labor einen Teil der in Maddies Zimmer gefundenen DNA-Spuren ausgewertet und die Ergebnisse nach Portugal geschickt habe. Die Eltern sollten laut ihrer Sprecherin heute oder morgen über die Resultate informiert werden.

Medien berichteten, die Hinweise auf einen Tod Madeleines hätten sich verdichtet. Die Laboranalysen hätten diese Vermutung verstärkt. Dagegen habe die Polizei ihre ursprünglich aufgestellte Hypothese, Madeleine sei das Opfer einer Entführung geworden, mittlerweile praktisch aufgegeben.

Madeleine war am 3. Mai aus einem Ferienappartement an der Algarve-Küste in Südportugal verschwunden. Ihre Eltern hatten mit einer beispiellosen öffentlichen Suchaktion auf den Fall aufmerksam gemacht.

jdl/AFP/dpa

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