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06. Dezember 2010, 14:58 Uhr

Vermögensstreit

Bettencourts beenden überraschend Familienzwist

Nach jahrelangem erbitterten Streit um angeblich verschwendete Millionen soll sich L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt überraschend mit ihrer Tochter Françoise versöhnt haben. Eine geheime Abmachung der beiden Frauen soll den neuen Frieden besiegelt haben.

Paris - "Liliane und Françoise sind sich wieder näher gekommen und haben sich darauf geeinigt, alle Auseinandersetzungen zu beenden", sagte der Anwalt von Françoise Bettencourt-Meyers am Montag. Nach drei Jahren Rechtsstreit seien die beiden froh, dass die Sache nun ein glückliches Ende genommen habe, so Olivier Metzner. Die Tochter der 88-Jährigen werde nicht weiter gerichtlich gegen ihre Mutter und Menschen aus deren Umfeld vorgehen.

Dem Anwalt zufolge unterzeichneten die beiden Frauen eine Übereinkunft, deren Inhalt geheim gehalten werde. Liliane Bettencourt ließ die Einigung mit ihrer Tochter bestätigen, nannte aber keine Details. Die Online-Ausgabe des "Figaro" berichtete am Montag, es sei Teil der Abmachung, dass die 88-Jährige in Zukunft keinen Kontakt mehr zu ihrem umstrittenen ehemaligen Protegé François-Marie Banier pflege. Dasselbe gelte für den Vermögensverwalter Patrice de Maistre.

Françoise Bettencourt-Meyers hatte jahrelang den Vorwurf erhoben, ihre Mutter verschleudere unter dem Einfluss von Freunden und Bekannten große Teile ihres Vermögens. Allein der als exzentrischer Dandy bekannte Fotograf und Künstler Banier soll Geschenke für knapp eine Milliarde Euro erhalten haben - in Form von Gemälden, Immobilien, Lebensversicherungen und Schecks.

Bettencourt-Meyers wollte ihre Mutter deswegen unter Vormundschaft stellen lassen und verklagte auch Banier. Die reichste Frau Europas ließ im Gegenzug Anzeige gegen ihre Tochter wegen Psychoterrors erstatten.

Im Zuge des Familienstreits waren eine ganze Reihe weiterer Affären rund um Liliane Bettencourt bekannt geworden, welche auch die konservative Regierung von Staatspräsident Nicolas Sarkozy schwer in Bedrängnis brachten. Neben Steuerhinterziehung wurde der L'Oréal-Hauptaktionärin auch vorgeworfen, illegale Parteispenden an die Regierungspartei UMP übergeben zu haben. So untersucht die Justiz, ob eine illegale Spende in Höhe von 150.000 Euro für den Präsidentschaftswahlkampf von Sarkozy im Jahr 2007 floss. Die dazu laufenden Ermittlungsverfahren sind von dem Rückzieher der Tochter nicht betroffen.

Das derzeitige Vermögen von Liliane Bettencourt wird auf 20 Milliarden US-Dollar (etwa 15 Milliarden Euro) geschätzt.

ala/dpa/AFP

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