Verschwundene Studenten in Mexiko Augenzeuge belastet Bundespolizisten

Im Fall der 43 verschwundenen Studenten in Mexiko meldet sich ein Augenzeuge zu Wort. Er belastet mehrere Polizisten schwer - sie hätten die Verschleppung der Studenten gebilligt.

Angehörige der verschwundenen Studenten
DPA

Angehörige der verschwundenen Studenten


Mehr als anderthalb Jahre nach dem Verschwinden von 43 Studenten in Mexiko hat die Nationale Menschenrechtskommission erstmals eine Verwicklung von zwei Bundespolizisten in den Fall öffentlich gemacht. Ein Augenzeuge habe die beiden Bundespolizisten im südmexikanischen Iguala gesehen. Die Identität des Zeugen wird geheim gehalten.

Seiner Aussage zufolge schossen Polizisten auf die Reifen eines der fünf Busse der Lehramtsstudenten, teilte die Kommission mit. Daraufhin seien die 15 bis 20 Studenten aus dem Bus geholt und in mehrere Einsatzwagen gezerrt worden - nicht nur der örtlichen Polizei, sondern auch von Kräften aus der Stadt Huitzuco, die bislang in dem Zusammenhang noch nicht erwähnt wurde. Laut dem Augenzeugen seien dann die beiden Bundespolizisten dazugekommen und hätten gefragt, was los sei.

Einer der Polizisten aus Iguala soll gesagt haben, die Studenten würden nach Huitzuco gebracht, wo der "Boss" - mutmaßlich der Chef eines Drogenkartells - entscheide, was mit ihnen zu tun sei. Die Bundespolizisten hätten daraufhin gesagt "Ah, okay, das ist in Ordnung" und hätten die Polizisten mit den Studenten wegfahren lassen.

Einer der Bundespolizisten sei namentlich bekannt, teilte die Kommission mit. Zudem habe ein Soldat auf einem Motorrad Fotos des Geschehens gemacht und sei dann weggefahren. Die Generalstaatsanwaltschaft kündigte an, die neuen Spuren zu verfolgen. Der Augenzeuge und seine Familie würden beschützt.

In dem Fall gab es mehr als hundert Festnahmen, eine 2000 Seiten starke Ermittlungsakte. Bislang wurde aber niemand verurteilt - und es fehlt jede Gewissheit, was mit den jungen Männern in der Nacht vom 26. auf den 27. September 2014 in der Stadt Iguala im Bundestaat Guerrero passiert ist.

Den bisherigen offiziellen Angaben zufolge hatten Polizisten aus Iguala und dem benachbarten Cocula die Studenten verschleppt und sie den Guerreros Unidos übergeben. Diese habe die Studenten getötet, die Opfer auf einer Müllkippe verbrannt und ihre Überreste in einen Fluss geworfen. Von den Angehörigen beauftragte Wissenschaftler fanden dafür aber keine Beweise. Sie beklagten zudem die Behinderung ihrer Arbeit durch die mexikanische Justiz und ultrakonservative Gruppen.

ulz/AFP/AP

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