Verschwundener Frachter "Arctic Sea" vor afrikanischer Küste gesichtet

Wo ist die "Arctic Sea"? Der Verbleib des seit drei Wochen verschollenen Holzfrachters wird immer rätselhafter. Nun berichtet die russische Agentur Itar-Tass, dass das Schiff vor der westafrikanischen Küste geortet worden sein soll.

Moskau - Der seit rund drei Wochen verschwundene Frachter "Arctic Sea" liegt nach Itar-Tas-Informationen vor der Küste Westafrikas. Das Schiff mit 15 russischen Seeleuten an Bord habe am vergangenen Wochenende den Inselstaat Kap Verde passiert und bewege sich mit unklarem Ziel weiter, meldete die Agentur am Montag unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Quellen in Brüssel.

"Arctic Sea" (Archivbild): Wo befindet sich der Frachter?

"Arctic Sea" (Archivbild): Wo befindet sich der Frachter?

Foto: Pekka Laakso/ AP

Es gebe weiter keine offizielle Erklärung für die Position der "Arctic Sea", die nach Angaben der Reederei Holz von Finnland nach Algerien bringen sollte. Einiges spreche allerdings für eine Entführung des in Malta registrierten Frachters.

Experten gehen davon aus, dass der Brennstoff des Schiffes in den kommenden zwei Tage zur Neige geht und der Frachter einen Hafen anlaufen muss. Nach Angaben der Polizei in Helsinki fordern Unbekannte einen "beträchtlichen, aber nicht gewaltigen" Betrag an Lösegeld. Russische Medien berichteten am Montag über eine Forderung von mindestens 1,5 Millionen US-Dollar (rund eine Million Euro).

Verwirrende Meldungen über die Sichtung des Frachters

Der russische Botschafter in Kap Verde dementierte am Samstag noch, dass der verschwundene Frachter entdeckt worden sei. Er sei am Freitag von dem Generalstabschef der afrikanischen Inselrepublik darüber unterrichtet worden, dass ein der "Arctic Sea" ähnelndes Schiff 400 Seemeilen (720 Kilometer) nördlich des Inselstaates gesichtet worden sei, sagte Botschafter Alexander Karpuschin dem russischen Fernsehen, wie die Nachrichtenagentur Interfax am Samstag berichtete. "Diese Information hat sich jedoch nicht bestätigt", wurde Karpuschin weiter zitiert.

Zuvor hatte ein Beamter des Verteidigungsministeriums gesagt, das Schiff sei wieder aufgetaucht.

Am Samstag meldeten russische Nachrichtenagenturen, dass die "Arctic Sea" am Vormittag ein kurzes Positionssignal gesendet habe. Der finnische Reeder des Schiffes dementierte dies. Seine Mitarbeiter bemühten sich rund um die Uhr, Kontakt zu dem Schiff herzustellen, betonte der Direktor der Reederei Solchart Management Ltd, Viktor Matwejew. Seine Sorge gelte jetzt allein den Besatzungsmitgliedern: "Ich bete für ihr Leben."

Die Agenturen in Moskau hatten unter Berufung auf den russischen Informationsdienst "Sowfracht Maritime Bulletin" gemeldet, das Schiff sei mit einer Geschwindigkeit von umgerechnet etwa 19 km/h gegen 10.30 Uhr vor der westfranzösischen Hafenstadt La Rochelle geortet worden.

Ein ranghoher russischer Militärsprecher in Brüssel sagte der russischen Agentur Itar-Tass: "Das Schiff ist nicht gesunken. Seine Position ist bekannt, wird aber aus taktischen Gründen nicht bekanntgegeben." Der russische Nato-Botschafter Dmitrij Rogosin erklärte dem Moskauer Radiosender Echo Moskwy: "Die Situation ist dramatisch genug, da darf man nichts vorzeitig mitteilen." Russland und die Nato stünden im Fall der "Arctic Sea" in "engem Kontakt".

Der finnische Frachter mit 15 russischen Seeleuten an Bord ist seit gut zwei Wochen verschwunden. Den letzten offiziellen Funkkontakt zur "Arctic Sea" hatte die britische Küstenwache am 28. Juli in der Straße von Dover. Das Schiff sollte Holz im Wert von über einer Million Euro von Finnland nach Algerien bringen.

EU-Kommission: Keine Meinung, kein Kommentar

In der vergangenen Woche gab es dann erste Hinweise auf das Schicksal der "Arctic Sea" - ein Sprecher der EU-Kommission hatte erklärt, es habe nach dem mysteriösen Überfall auf das Schiff in der Ostsee vom 24. Juli einen zweiten Angriff vor der Küste Portugals gegeben. Lissabon bestritt dagegen, dass sich die "Arctic Sea" in den vergangenen Tagen in portugiesischen Gewässern bewegt hat.

Ein EU-Sprecher sagte, es handele sich nach "Informationen aus Mitgliedstaaten" nicht um klassische Piraterie. Auf die Frage, was sich dann hinter dem Verschwinden des rund hundert Meter langen Schiffes verbergen könnte, sagte ein Sprecher der EU-Kommission: "Dazu haben wir keine Meinung und keinen Kommentar abzugeben."

Der Vizechef der russischen Seefahrergewerkschaft, Sergej Portenko, sagte der Moskauer Boulevardzeitung "Moskowski Komsomolez": "Ich gehe davon aus, dass die Behörden längst wissen, wo das Schiff ist." Nach seiner Vermutung soll vertuscht werden, dass die "Arctic Sea" Waffen für Afrika geladen hat.

jjc/dpa
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