Verschwundener Frachter Reeder vermutet Entführung der "Arctic Sea"

Von dem in der Nordsee verschwundenen Frachter fehlt weiter jede Spur. Die finnische Reederei erklärte nun, sie gehe bei der seit zwei Wochen vermissten "Arctic Sea" von einer Entführung aus. Russland lässt mit Marine-Patrouillen nach dem Schiff suchen.

Moskau/Marsa - Seit Ende Juli fehlt von dem Frachter "Arctic Sea", der unter maltesischer Flagge für ein finnisches Unternehmen Holz nach Algerien bringen sollte, jede Spur. "Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass das Schiff entführt wurde", sagte der Direktor der finnischen Reederei Solchart, Viktor Matveyev, am Donnerstag.

"Arctic Sea": Offenbar in der Hand von Piraten

"Arctic Sea": Offenbar in der Hand von Piraten

Foto: Pekka Laakso/ AP

Zuvor hatten Vertreter der Schifffahrtsbehörde von Malta erklärt, sie gingen davon aus, dass die "Arctic Sea" Richtung Atlantik unterwegs sei. Das Schiff sei zum letzten Mal über ein elektronisches Ortungssystem am 30. Juli vor der nordfranzösischen Küste registriert worden, sei aber auch vor Portugal geortet worden.

Der 4000-Tonnen-Frachter war auf dem Weg von Finnland in die algerische Küstenstadt Béjaia, wo er am 4. August eintreffen sollte. Er hat Holz mit einem geschätzten Wert von 1,16 Millionen Euro geladen. Den letzten Funkkontakt gab es am 28. Juli, als sich die "Arctic Sea" in Dover meldete, um den Ärmelkanal zu passieren.

Das Schicksal des verschollenen Frachters und seiner 15-köpfigen russischen Besatzung hält die Regierung in Moskau in Atem. Russische Kriegsschiffe suchen nach der "Arctic Sea", Präsident Dmitrj Medwedew beauftragte seinen Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow, alles in Bewegung zu setzen, um den Frachter "wiederzufinden und - wenn nötig - zu befreien".

Fraglich ist, ob ein vorangegangener Zwischenfall in der Ostsee etwas mit dem Verschwinden der "Arctic Sea" zu tun hat. Interpol informierte die britischen Behörden darüber, dass der Frachter am 24. Juli in schwedischen Gewässern von maskierten Männern geentert worden sei.

Nach Informationen des russischen Marine-Newsletters "Sowfracht" hielten sich die Angreifer rund zwölf Stunden an Bord auf und suchten etwas, verschwanden dann aber wieder, ohne etwas mitzunehmen.

Der maltesischen Schifffahrtsbehörde liegen nach eigenen Angaben Berichte vor, wonach sich acht bis zwölf Männer als Polizisten ausgegeben haben. Sie hätten Uniformen mit der Aufschrift Polizei und Pistolen getragen, die Crewmitglieder gefesselt, geknebelt, teilweise schwer verletzt und über den Transport von Drogen befragt. Schwedische Behörden erklärten demnach, nichts mit einem solchen Einsatz zu tun zu haben.

siu/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.