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27. Januar 2011, 10:50 Uhr

Verschwundener Junge

Festgenommener im Fall Mirco ist dringend tatverdächtig

Tausende Hinweise hat die Sonderkommission der Polizei ausgewertet, jetzt gibt es eine heiße Spur: Im Fall des in Nordrhein-Westfalen verschwundenen Mirco gilt ein festgenommener Mann als dringend tatverdächtig. Ein VW Passat brachte die Ermittler auf die Fährte.

Grefrath/Viersen - Seit Anfang September ist Mirco verschwunden, nun scheint den Ermittlern ein entscheidender Schritt geglückt zu sein: Ein an diesem Mittwoch festgenommener Mann ist nach Angaben der Polizei dringend tatverdächtig. "Wir gehen davon aus, dass es eine heiße Spur ist", sagte Polizeisprecher Peter Spiertz.

Die Ermittler seien auf den Mann wegen seines VW Passats aufmerksam geworden. "Wir haben von Anfang an gesagt, wenn wir den richtigen VW Passat in der Kontrolle haben, dann wird uns das zum Täter führen", sagte Spiertz. Die Polizei geht davon aus, dass der Täter ein solches Modell gefahren ist.

Den Angaben der Polizei zufolge sollen nun weitere Untersuchungen wie der Abgleich von Spuren belegen, ob sich der Verdacht gegen den Mann erhärtet. Gegen ihn werde ein Haftbefehl vorbereitet. Bis Mitternacht muss ein Richter dem Antrag zustimmen, andernfalls muss der Verdächtige freigelassen werden.

Einzelheiten zu dem Festgenommenen nannte die Polizei weiter nicht. Auch die zuständige Staatsanwaltschaft Krefeld wollte sich auf Nachfrage nicht zum Ermittlungsstand äußern.

Bis zum Abend wollen die Ermittler ihre Ergebnisse zusammenfassen und am Freitag um 11.00 Uhr eine Pressekonferenz geben.

Laut Zeitungsbericht handelt es sich um einen Familienvater

Nach Informationen der "Rheinischen Post" handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen Mann aus dem Kreis Viersen. Der Familienvater soll Mitte 40 sein und zwei Kinder haben.

Mirco war am 3. September bei Grefrath am Niederrhein auf dem Nachhauseweg vom Spielen auf einer Skateranlage entführt worden. Bei seinem Verschwinden war der Junge zehn Jahre alt. Die Polizei geht davon aus, dass der Junge einem Sexualverbrechen zum Opfer gefallen ist und vermutet den Täter in der Region.

Zeitweise suchten tausend Polizisten vergeblich nach dem Kind, es war einer der größten Sucheinsätze in der Geschichte der nordrhein-westfälischen Polizei. Im Zuge der wochenlangen Suche nach dem Jungen am Niederrhein wurden zunächst Kleidungsstücke und das Fahrrad des Jungen entdeckt.

5900 Hinweise - doch die Suche blieb vergeblich

Bei der Sonderkommission Mirco waren Tausende Hinweise überprüft worden, die aus der Bevölkerung eingegangen waren, unter anderem zu einem am mutmaßlichen Tatort gesichteten VW-Passat-Kombi.

Es wurden neue Ermittlungsmethoden eingesetzt, zu denen sich die Polizei bislang allerdings nicht näher äußern wollte. Nach Einschätzung der Beamten ist der Fall Mirco schon jetzt "einzigartig in der Kriminalgeschichte".

Mitte November gab der zufällige Fund von Mircos Handy an der Böschung einer Landstraße neue Hoffnung auf eine Lösung des Falls. Die anschließende Durchsuchung eines Waldstücks bei Grefrath blieb allerdings erneut ohne Ergebnis.

Eine Woche vor Heiligabend hatten auch die Nonnen des Klosters Mariendonk nahe Grefrath an den Entführer des verschwundenen Jungen appelliert. Die Ordensfrauen hatten in der Nacht des Verschwindens von Mirco in der Nähe des Klosters einen markerschütternden Schrei gehört.

han/dpa/AFP

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