Verschwundener Junge Polizei entdeckt Mircos Leiche

Monatelang hatten die Ermittler gesucht, nun herrscht Gewissheit: Mirco aus Grefrath ist tot. Polizisten haben die Leiche des Jungen gefunden. Zuvor war ein dringend tatverdächtiger Mann festgenommen worden.


Krefeld - Die Leiche des seit September vermissten Mirco ist gefunden worden. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Krefeld. Zu Fundort, Tathergang und mutmaßlichem Täter wollen sich die Ermittler am Freitag auf einer Pressekonferenz äußern.

Am Morgen hatten Beamte an Abschnitten der Autobahn A52 und im Gebiet zwischen Grefrath und Wankum entlang einer Landstraße gesucht, schreibt die "Rheinische Post". Am Mittag folgte dann offenbar der Durchbruch für die Ermittler.

"Das Schicksal von Mirco ist geklärt", sagte ein Sprecher der Polizei. Einzelheiten nannte er zunächst nicht. Die Eltern des Jungen wurden nach Informationen der "Bild"-Zeitung bereits informiert. Sie werden psychologisch betreut.

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Verschwundener Junge: Der Fall Mirco
Ein am Mittwoch festgenommener Mann gilt als dringend tatverdächtig. Gegen ihn soll noch im Laufe des Tages Haftbefehl erlassen werden. Auf die Spur des Verdächtigen kamen die Fahnder durch dessen Auto: Einen VW Passat, von dessen Typ im Zuge der Ermittlungen Tausende überprüft worden waren.

Informationen, wonach der Verdächtige versucht haben soll, das Auto ins Ausland zu verkaufen, bestätigte die Polizei nicht. Die 65-köpfige Sonderkommission ermittele aber unter Hochdruck sämtliche Ansätze, die sich nach der Festnahme des Mannes am Mittwoch ergeben hätten. "Wir haben uns dem Verdächtigen aus vielen Richtungen genähert", so ein Polizeisprecher.

Der VW Passat führte die Ermittler zum Verdächtigen

Nach Informationen der "Rheinischen Post" handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen Mann aus Schwalmtal im Kreis Viersen. Der Familienvater soll 45 Jahre alt sein und zwei Kinder haben.

Bei der Sonderkommission Mirco waren Tausende Hinweise überprüft worden, die aus der Bevölkerung eingegangen waren, unter anderem zu einem am mutmaßlichen Tatort gesichteten VW-Passat-Kombi. Dieser brachte die Ermittler nun offenbar auf die Fährte des Mannes. "Wir haben von Anfang an gesagt, wenn wir den richtigen VW Passat in der Kontrolle haben, dann wird uns das zum Täter führen", sagte Polizeisprecher Peter Spiertz. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Junge einem Sexualmord zum Opfer gefallen ist.

Mirco war am 3. September bei Grefrath am Niederrhein auf dem Nachhauseweg vom Spielen auf einer Skateranlage entführt worden. Damals war er zehn Jahre alt. Das Fahrrad des Jungen blieb zurück, wurde von ahnungslosen Passanten entdeckt, mitgenommen, gesäubert und erst nach Bekanntwerden des Verbrechens der Polizei übergeben.

Eine Suche beispiellosen Ausmaßes

Nach der bisherigen Rekonstruktion des Verbrechens soll der Entführer in einem VW Passat Kombi nördlich um Grefrath herumgefahren sein. Spürhunde hatten Mircos Fährte noch kilometerweit verfolgt.

Zeitweise suchten tausend Polizisten vergeblich nach dem Kind, es war einer der größten Sucheinsätze in der Geschichte der nordrhein-westfälischen Polizei. Auch Tornado-Aufklärungsjets und Drohnen kamen zum Einsatz.

Im Zuge der wochenlangen Suche nach dem Jungen am Niederrhein wurden zunächst Kleidungsstückeund das Fahrrad des Jungen entdeckt.

Es wurden neue Ermittlungsmethoden eingesetzt, zu denen sich die Polizei bislang allerdings nicht näher äußern wollte. Nach Einschätzung der Beamten ist der Fall Mirco schon jetzt "einzigartig in der Kriminalgeschichte".

In der Nähe eines Klosters bei Wachtendonk nördlich von Grefrath vernahmen Nonnen in der Tatnacht einen markerschütternden Schrei. Auf der anderen Seite von Grefrath fanden sich später Kleidungsstücke des Jungen und nach Wochen auch sein Handy. Fingerabdrücke des Täters fanden sich nicht.

Obwohl die Polizei-Hundertschaften ein mehr als 50 Quadratkilometer großes Gebiet zum Teil mehrfach durchkämmten, blieb der Junge verschwunden. Auch ein Aufruf von Mircos Eltern im Fernsehen konnte den Täter nicht dazu bewegen zu verraten, wo er den Jungen versteckt hat.

han/dpa/AFP

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