Verunglückter Jörg Haider Staatsanwaltschaft schweigt zu Ergebnissen der Blutuntersuchung

Mit 142 Stundenkilometern raste Jörg Haider in den Tod. Zu der Frage, ob der Politiker zudem unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol gestanden habe, will die Staatsanwaltschaft keine Angaben machen. Eine Zeitung berichtet gleichwohl, Haider sei betrunken gewesen.


Wien - Es dauerte nur einen Tag, bis sich der Leiter der Staatsanwaltschaft Klagenfurt öffentlich erklärte. Am Sonntag teilte Gottfried Kranz der Presse mit, der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider sei zum Zeitpunkt des Unfalls mit seinem Dienstwagen 142 Stundenkilometer schnell gefahren - und Tempo 70 sei auf der Strecke erlaubt gewesen.

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE erklärte Kranz nun am heutigen Mittwoch, man habe bereits einen Tag nach dem Unfall die genaue Geschwindigkeit mitteilen können, weil "ein Sachverständiger im Beisein von VW-Fachleuten" das Computersystems des stark beschädigten Phaetons kurzfristig habe auslesen können.

Verschiedene Medien hatten zuvor darüber gerätselt, wie sich das Tempo der Unglückslimousine derart schnell habe feststellen lassen.

"Persönlichkeitsschutz und Rücksichtnahme"

Zu der Frage, ob im Blut des Verunglückten verbotene Substanzen festgestellt worden seien, nahm Kranz nur indirekt Stellung: "Über die Ergebnisse der toxikologischen Untersuchungen werde ich aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und aus Rücksichtnahme auf den Verstorbenen keine Angaben machen."

Das österreichische Nachrichtenmagazin "News" berichtet auf seiner Interstseite, dass Haider zum Unfallzeitpunkt betrunken war. Das habe die Obduktion ergeben. Der Politiker sei "stark alkoholisiert und fahruntüchtig" gewesen.

Haiders Dienstwagen jedenfalls habe keine technischen Mängel aufgewiesen, so Kranz. "Jegliche Spekulationen über andere Ursachen für den Unfall sind damit hinfällig."

Auf dem Weg von einer Abendveranstaltung kam Haider laut Polizei am Samstagmorgen kurz nach 1 Uhr mit seinem Dienstfahrzeug, einem drei Monate alten VW Phaeton V6, im Süden von Klagenfurt von der Straße ab. Der Politiker sei mit seinem Auto nach einem Überholmanöver ins Schleudern geraten, sagte ein Behördensprecher.

Beim Eintreffen einer Notärztin am Unfallort habe noch eine kleine Chance auf ein Überleben Haiders bestanden, sagte der medizinische Direktor des Landeskrankenhauses Klagenfurt, Thomas Koperna. Der Politiker sei aber auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben. Einem vorläufigen Obduktionsbericht zufolge erlitt der Politiker mehrere jeweils tödliche Verletzungen.

Haiders Tod löste in Österreich bei vielen Politikern Bestürzung aus. Bundespräsident Heinz Fischer sprach von einer "menschlichen Tragödie". Vor dem Gebäude der Kärntner Landesregierung legten Anhänger Haiders Blumen nieder.

Haider war eine der umstrittensten Persönlichkeiten der österreichischen Politik. 1999 war seine damalige Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) sehr erfolgreich aus den Parlamentswahlen hervorgegangen und von ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel in eine Regierungskoalition geholt worden.

Haider selbst war im Kabinett nicht vertreten, da er wegen seiner Äußerungen zum Nationalsozialismus als untragbar galt. So hatte er Konzentrationslager als "Straflager" bezeichnet und von einer "ordentlichen Beschäftigungspolitik" des "Dritten Reichs" gesprochen. Bei den Parlamentswahlen Ende September erzielte Haiders neue Partei, das nach einem Zerwürfnis mit der FPÖ gegründete Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ), einen Stimmenanteil von elf Prozent.

Lesen Sie in Teil 2 bis 7 - die umstrittenen Äußerungen von Jörg Haider:

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