Veruntreuung von Kirchengeldern Ehemaliger Pfarrer widerruft Geständnis

Jahrelang soll ein Geistlicher Spenden und Kollekten in Millionenhöhe in die eigene Tasche abgezweigt haben. Nachdem er seine Schuld zunächst eingestanden hatte, bestritt er nun vor Gericht die Vorwürfe: Alles selbst angespart, behauptet er. 

Würzburg - Erst hatte er die Taten eingeräumt - jetzt hat er seine Meinung geändert: Im Prozess um die Veruntreuung von mehr als einer Million Euro Kirchengelder hat ein ehemaliger Pfarrer vor dem Landgericht Würzburg jede Schuld von sich gewiesen. Zum Auftakt der Verhandlung ließ der 78-Jährige aus dem Landkreis Main-Spessart über seinen Anwalt seine früheren Geständnisse widerrufen.

Dem Geistlichen wird besonders schwere Untreue in 50 Fällen mit einem Schaden von rund 1,1 Millionen Euro vorgeworfen. Er soll jahrelang Spenden und Kollekten abgezweigt und für private Zwecke verwendet haben.

Der Mann beteuerte, alle Beträge selbst angespart und durch geschickte Anlagen vermehrt zu haben. Um keine Steuern zahlen zu müssen, habe er von 1992 an eigenes Geld auf Konten der Kirchenstiftung seiner Gemeinde überwiesen und sich lediglich vor seiner Pensionierung Ende 2009 wieder zurückgeholt, erklärte er.

Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung wurden 130.000 Euro Bargeld gefunden. "Ich kann guten Gewissens sagen, dass ich meine Kirche um keinen Cent geschädigt habe", ließ der ehemalige Pfarrer durch seinen Verteidiger mitteilen.

Der Angeklagte saß im Frühsommer 2010 einen Monat in Untersuchungshaft. Während dieser Zeit hatte er ein Geständnis wiederholt, das er schon während der Ermittlungen abgelegt hatte. Er habe dies nur getan, um wieder auf freien Fuß zu kommen, betonte der Mann nun. Der Prozess wird am 26. September fortgesetzt.

aal/dapd
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