Vierfachmord in den Alpen Tatverdächtiger soll mit Waffen gehandelt haben

Nach dem rätselhaften Vierfachmord in den Alpen hat die Polizei einen Tatverdächtigen, einen Haufen alter Kriegswaffen und Sprengsätze - aber noch keine Beweise. Der Fall sei alles andere als geklärt, sagte Staatsanwalt Eric Maillaud auf einer Pressekonferenz.

Dorf Talloires in Frankreich: Polizisten suchen nach Waffen vor Haus von Verdächtigem
AFP

Dorf Talloires in Frankreich: Polizisten suchen nach Waffen vor Haus von Verdächtigem


Chevaline - Am Dienstag, rund eineinhalb Jahre nach dem Vierfachmord in den Alpen, nahm die französische Polizei in dem 1700-Seelen-Ort Talloires, rund zwölf Kilometer vom Tatort entfernt, einen 48-jährigen Mann fest.

Laut Staatsanwalt Eric Maillaud weise Eric D. eine "starke Ähnlichkeit" mit dem Phantombild eines Motorradfahrers auf, der nahe dem Tatort gesehen worden war. Auf einer Pressekonferenz am frühen Mittwochnachmittag äußerte sich Maillaud zu dem Fall.

Man habe eine große Zahl Kriegswaffen und Sprengsätze im Haus von Eric D. gefunden, sagte er in Chevaline. Es bestehe der Verdacht, dass der Tatverdächtige zusammen mit einem befreundeten Komplizen mit Waffen gehandelt habe. Der zweite Mann sei Dienstagnacht in Gewahrsam genommen worden, nachdem er versucht habe zu fliehen. D. sei nicht vorbestraft.

Die Waffen sollen ballistisch untersucht werden, um festzustellen, ob sie benutzt wurden. Bei der Tatwaffe handelte es sich um eine alte Luger P06, Kaliber 7,65. Auch bei dem 48-Jährigen soll eine Parabellumpistole gefunden worden sein, allerdings von einem anderen Kaliber, berichtete "Metronews".

"Wir gehen allen Spuren nach, es gibt keine bestimmte Fährte", betonte der Staatsanwalt. Der Mordfall Chevaline sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt alles andere als geklärt.

Bärtiger Mann mit offenem Motorradhelm

Eric D. ist Ex-Polizist, er soll im Juni gekündigt und in der Schweiz im Sicherheitsgewerbe gearbeitet haben. Der Mann ist Zeitungsmeldungen zufolge verheiratet und hat drei Kinder. Er wird als wortkarger Außenseiter beschrieben. Am Mittwoch sollten die Familie und Bekannte des Mannes befragt werden, der sich weiter in Polizeigewahrsam befindet.

Die Bluttat hatte Anfang September 2012 für Entsetzen gesorgt: Auf einem Waldparkplatz in der Nähe der Ortschaft Chevaline bei Annecy hatte ein Unbekannter den aus dem Irak stammenden Briten Saad al-Hilli, seine Frau Ikbal, deren Mutter sowie einen wohl zufällig vorbeikommenden französischen Radfahrer mit Kopfschüssen getötet.

Die beiden kleinen Töchter der al-Hillis überlebten die Bluttat, eines der Mädchen wurde schwer verletzt.

Mehr als ein Jahr nach der Tat veröffentlichten die französischen Behörden im vergangenen November das Phantombild eines Motorradfahrers, der in der Nähe des Tatorts gesehen worden war. Zu sehen ist ein bärtiger Mann mit offenem Motorradhelm.

Ein Motorrad sei bei dem Tatverdächtigen nicht gefunden worden, sagt Staatsanwalt Maillaud. Zwar habe die Untersuchung des Handys des Verdächtigen ergeben, dass er sich zum fraglichen Zeitpunkt in der Nähe des Tatortes aufgehalten habe. Dies lasse aber keine Schlüsse zu, da der Mann Angehörige ganz in der Nähe des Waldparkplatzes habe und in der Gegend oft auf Jagd gehe.

Die französischen Ermittler waren bei der Suche nach dem Mordmotiv bislang unter anderem von einem Familienstreit ausgegangen: Saad al-Hilli hatte mit seinem ebenfalls in Großbritannien lebenden Bruder Zaid Streit um das Erbe des Vaters. Zaid al-Hilli wurde im Juni von der britischen Polizei unter dem Verdacht festgenommen, ein Mordkomplott gegen seinen Bruder geschmiedet zu haben. Im Januar wurden die Ermittlungen gegen ihn aber eingestellt.

Als weiteres mögliches Mordmotiv hatten die französischen Ermittler einen Erbstreit mit der im Irak lebenden Familie der al-Hillis ins Auge gefasst. Auch Industriespionage könne als Mordmotiv in Betracht kommen. Saad al-Hilli arbeitete als Ingenieur im Luft- und Raumfahrtsektor, der französische Radfahrer für eine Nuklearfirma in Frankreich.

ala/dpa/AFP

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