Festnahme im Alpen-Vierfachmord Ermittler vermuten Erbstreit als Motiv

Der Vierfachmord in den Alpen blieb lange ein Rätsel. Jetzt wurde der Bruder eines Opfers festgenommen - er soll in ein Mordkomplott verwickelt sein. Indizien deuten darauf hin, dass die Tat das Resultat eines Erbstreits sein könnte.


Annecy - Augenzeugen sagten, es sei eine Szene wie aus einem Hollywood-Thriller gewesen. Ein Auto auf einem abgeschiedenen Parkplatz in den französischen Alpen. In dem Wagen die Leichen eines irakischstämmigen Ehepaares aus Claygate in England und der Mutter der Ehefrau. Nicht weit entfernt die Leiche eines ermordeten französischen Radfahrers - es wird vermutet, dass er umgebracht wurde, weil er zufällig vorbeikam.

Ein weiterer Radler entdeckte die Tat und verständigte die Polizei. Seit September 2012 beschäftigt der sogenannte Alpenmord rund hundert Ermittler. Nun scheinen die Fahnder in dem Fall einen Durchbruch erzielt zu haben. Sie nahmen in Chessington im Londoner Südwesten Zaid al-Hilli fest, den Bruder des Mannes, der in dem Auto erschossen wurde. Die Festnahme sei länger geplant gewesen. In der Nähe des Tatorts war laut Polizei ein Wagen mit britischem Kennzeichen aufgefallen.

Man sei der Ansicht, dass Belastungsmaterial vorliege, um ihn in Gewahrsam zu nehmen. Er solle zum Verhältnis zu seinem Bruder, zum Familienerbe und seinem Terminkalender befragt werden.

Fotostrecke

9  Bilder
Mord in den Alpen: Das Rätsel von Annecy
Die Ermittler hatten Indizien zusammengetragen, wonach sich die Geschwister um das Erbe ihres Vaters stritten. Demnach hatte der ermordete Mann Kopien zweier Versionen des Testaments: In einer Version bekommen die Brüder je die Hälfte des Erbes. In der anderen Version geht alles an den nun festgenommenen Zaid.

Der Vorwurf lautet auf Verschwörung zum Mord

Laut "Telegraph" starb der Vater vor zwei Jahren in Spanien. Er soll den Söhnen mehrere Immobilien und 800.000 Pfund auf einem Konto in Genf hinterlassen haben. Insgesamt soll es um ein Vermögen in Höhe von mehreren Millionen Euro gehen. Sohn Saad soll mit anwaltlicher Hilfe die Vollstreckung des Testaments gestoppt haben, um nicht näher bekannte Differenzen auszuräumen.

"Wir wissen seit langer Zeit, dass es zwischen den Brüdern einen Konflikt gab", sagte der französische Staatsanwalt Eric Maillaud. Dem Festgenommenen werde Beteiligung an einer Mordverschwörung vorgeworfen. Das, so Maillaud, bedeute aber nicht zwangsläufig, dass auch der Schütze in Gewahrsam sei. Demnach könnte Zaid al-Hilli einen Killer beauftragt haben.

Die Kinder von Saad al-Hilli und seiner Frau hatten den Angriff im vergangenen Jahr überlebt. Eines der Mädchen, damals sieben Jahre alt, wurde in die Schulter geschossen, geschlagen und verletzt in der Nähe des Wagens gefunden. Das andere Kind entdeckten die Ermittler erst acht Stunden später unter der Leiche der Mutter. Die Fahnder hatten es vermieden, die Leichen zu bewegen.

Die beiden traumatisierten Mädchen leben laut Medienberichten jetzt bei Pflegeeltern. Die Kinder sind wohl die einzigen Zeugen des Verbrechens. Laut Staatsanwalt Maillaud wurden sie erst vor wenigen Tagen befragt; die Aussagen lieferten aber kaum für die Ermittlungen nützliche Hinweise.

Auch Zaid al-Hilli sollte am 21. Juni in Frankreich befragt werden. Laut Staatsanwaltschaft blieb er dem Termin fern.

ulz/AP/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.