Vierfachmord in den Alpen Ermittler identifizieren gesuchten Motorradfahrer

Die Polizei suchte im Fall des Vierfachmordes in den französischen Alpen nach einem Motorradfahrer. Nun haben die Ermittler den Mann offenbar ausfindig gemacht - sie halten ihn aber nicht für den Täter.
Tatort des Vierfachmordes in den französischen Alpen 2012: Waldparkplatz bei Chevaline

Tatort des Vierfachmordes in den französischen Alpen 2012: Waldparkplatz bei Chevaline

Foto: Laurent Cipriani/ AP

Annecy - Die Ermittler hatten gehofft, er könnte der Schlüssel zu dem ungeklärten Vierfachmord in den französischen Alpen sein: ein bärtiger Motorradfahrer. Im November 2013, mehr als ein Jahr nach der Tat, veröffentlichten die Behörden ein Phantombild des Mannes, den mehrere Zeugen am Tag des Verbrechens in der Nähe des Tatorts gesehen haben wollen.

Diese Hoffnung hat sich nun offenbar zerschlagen: Wie der britische "Guardian"  unter Berufung auf französische Medien berichtet, gelang es der Polizei im vergangenen Monat zwar, den Mann zu identifizieren. Befragungen ergaben demnach jedoch, dass er mit den Morden nicht in Verbindung steht.

Laut dem Sender France Info war der aus Lyon stammende Motorradfahrer zufällig in der Nähe des Tatorts unterwegs. "Sein Profil schließt ihn zu 95 Prozent von der Liste der Verdächtigen aus", sagte ein Ermittler dem Sender. Weitere Untersuchungen seien jedoch erforderlich. Den Angaben zufolge ergaben die Befragungen des Motorradfahrers auch keine neue Spur.

Das Verbrechen von Chevaline gilt als einer der mysteriösesten Mordfälle der vergangenen Jahre. Ein Unbekannter hatte dort im September 2012 das irakisch-stämmige Ehepaar al-Hilli und die Mutter der Ehefrau auf einem Waldparkplatz erschossen. Ebenfalls getötet wurde ein offenbar zufällig vorbeikommender Radfahrer. Nur die beiden kleinen Kinder des bei London lebenden Paares überlebten.

Bislang kein Durchbruch bei den Ermittlungen

Als eine heiße Spur galt ein möglicher Erbstreit. Das französisch-britische Ermittlerteam hatte im Juni 2013 den Bruder des getöteten Familienvaters vorläufig festnehmen lassen, wegen des Verdachts auf Verschwörung zum Mord. Für einen Haftbefehl gab es aber nicht ausreichend Belastungsmaterial - die Ermittler mussten den Verdächtigen wieder freilassen.

Die Staatsanwaltschaft verfolgte zudem Kontakte des getöteten Familienvaters in dessen Geburtsland Irak und schloss auch einen Zusammenhang mit dem beruflichen Umfeld des Briten nicht aus. Er war in der Raumfahrtbranche tätig.

Im Februar 2014 war zwischenzeitlich ein Mann festgenommen worden. Verdachtsmomente hätten sich durch Vernehmungen und Durchsuchungen der vergangenen Tage nicht erhärtet, hieß es jedoch wenige Tage später. Es fehlten Hinweise auf eine "direkte Verbindung" zwischen dem früheren Polizisten und der Tat.

Die Ermittler hatten bei dem 48-Jährigen etliche Waffen und Munition entdeckt. Zeugenaussagen zu Phantombildern hatten ihn mit dem Mord in Verbindung gebracht. Eine Analyse von Handydaten ergab, dass er sich zur Tatzeit in der Nähe des Tatorts aufhielt.

wit
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.