Vierfachmord von Eislingen Angeklagter Sohn entschuldigt sich bei Mittäter

Kaltblütig soll Andreas H. mit einem Schulfreund seine Familie in Eislingen ermordet haben. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Verurteilung nach Erwachsenenrecht und lebenslange Haft. Sein Komplize soll für zehn Jahre ins Gefängnis. Bei ihm hat sich H. nun entschuldigt.

DPA

Ulm - "Ich muss sagen, dass es mir leid tut, so viele Leben verändert, geändert oder Eingriff darauf genommen zu haben - vor allem auch beim Frederik", sagte der wegen des Vierfachmordes von Eislingen angeklagte Andreas H. am Donnerstag vor dem Landgericht Ulm.

Der inzwischen 19-jährige H. ist angeklagt, in der Nacht zum Karfreitag 2009 seine Eltern und seinen beiden Schwestern zusammen mit seinem Schulfreund Frederik B. getötet zu haben. Der Heilpraktiker Hansjürgen H., seine Frau Else sowie deren 22 und 24 Jahre alten Töchter wurden in ihrem Wohnhaus im baden-württembergischen Eislingen ermordet - mit insgesamt 30 Schüssen.

Andreas H. nutzte sein Schlusswort, um sich bei seinem Freund zu entschuldigen: "Ich habe eigentlich nie vorgehabt, jemanden für meine Zwecke auszunutzen oder zu missbrauchen."

Die Staatsanwaltschaft sieht in H. den Hauptschuldigen und fordert eine lebenslange Haftstrafe für ihn. Er solle nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden, sagte Oberstaatsanwältin Brigitte Lutz am Donnerstag. Nach Erwachsenstrafrecht steht auf Mord lebenslange Haft, bei Jugendstrafrecht sind es maximal zehn Jahre. Das Gericht soll nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft eine besondere Schwere der Schuld feststellen - damit könnte eine vorzeitige Haftentlassung ausgeschlossen werden.

Für seinen Komplizen, den inzwischen 20-jährigen Frederik B., forderte die Staatsanwaltschaft eine Jugendstrafe von zehn Jahren.

Die Staatsanwältin warf in ihrem Plädoyer beiden Angeklagten vor, geschossen zu haben. "Dass nur Frederik B. geschossen hat, halte ich für ausgeschlossen", sagte die Anklagevertreterin. Sie gehe vielmehr davon aus, dass auch Andreas H. zumindest auf die Schwestern gefeuert habe. Die Verteidiger stritten dies ab.

Frederik B. hatte zunächst bei der Polizei gestanden, H., habe die Schwestern und den Vater alleine erschossen. Er selber habe nur auf die Mutter gefeuert. In der Verhandlung hatte er hingegen eingeräumt, alle Schüsse allein abgegeben zu haben - auf Bitten seines Freundes.

"Band der Freundschaft auf ewig schmieden"

Aus Sicht der Anklägerin wollte Andreas H. das Vermögen der Eltern allein erben. Er habe alles aus dem Weg räumen wollen, was ihm im Wege stand. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass der Sohn von seinen Eltern tyrannisiert worden sei. Der junge Mann hatte in der Vernehmung angegeben, von seiner Familie ausgegrenzt worden zu sein und aus Hass gehandelt zu haben.

Frederik B. habe nichts gegen die Familie gehabt, und bei ihm steckten auch keine finanziellen Motive hinter der Tat, sagte die Staatsanwältin. Er habe seinem Freund beistehen und "das Band der Freundschaft auf ewig schmieden" wollen. Zwar habe er gestanden, aber nur, weil er Andreas H. schützen wollte. Deshalb komme keine Milderung des Strafmaßes in Betracht.

Der Anwalt von B. hatte im Laufe des Verfahrens erklärt, sein Mandant habe in einem Abhängigkeitsverhältnis zu dem Sohn der getöteten Familie gestanden. Dieser gestand später ebenfalls eine Tatbeteiligung. Nach eigenen Angaben wurde Andreas H. bei der Tatplanung aber klar, dass er dies nicht könne und habe deswegen seinen Schulfreund Frederik B. darum gebeten, seine Familie zu töten.

Freundschaft war für Frederik B. "sehr schlecht"

Ein Gutachter bestätigte, dass die beiden Angeklagten ein sehr inniges Verhältnis zueinander hatten. Eine sexuelle Beziehung soll es jedoch nicht gegeben haben. Frederik B. gab in seinem Schlusswort zu, dass die Freundschaft zu Andreas H. für ihn "sehr schlecht war".

Die Verteidiger forderten für ihre Mandanten Jugendstrafen. Ein konkretes Strafmaß ließen sie offen. H. sei keineswegs so reif, wie ihn Zeugen beschrieben hätten, sagte dessen Verteidiger. Deswegen sollte er nicht nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden. Der Verteidiger wies zudem das Motiv der Habgier zurück. H. sei in seiner Familie psychischer Gewalt ausgesetzt gewesen: "Ich sehe die familiäre Problematik als handlungsleitend." Andreas H. sei nicht mit der Autorität des Vaters zurechtgekommen.

Der Verteidiger von Frederik B. forderte das Gericht auf, das Geständnis seines Mandanten zu würdigen.

Das Urteil ist für kommenden Mittwoch geplant.

siu/dpa/ddp



insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
adam68161 25.03.2010
1. schaler Nachgeschmack
von dem zu urteilen, was man aus der Presse weiss, bleibt angesichts der Forderung der Staatsanwaltschaft ein schaler Nachgeschmack. Das Motiv "Habgier" passt einfach nicht zu den übrigen Aktivitäten der beiden. Für mich ist das Verbrechen nicht aufgeklärt. Die Geständnisse klingen nach Anwaltstaktik. Die Gutachter erschienen hilflos.
darkbishop 25.03.2010
2. ...
boah...das ist schon heftig hier in deutschland! vier menschen erschiessen und du gehst als "jugendlicher" für ganze 10 jährchen in den bau... Man sollte das echt nach unten korrigieren mit dem Strafalter...
PeteLustig, 25.03.2010
3. *lach*
Zitat von adam68161von dem zu urteilen, was man aus der Presse weiss, bleibt angesichts der Forderung der Staatsanwaltschaft ein schaler Nachgeschmack. Das Motiv "Habgier" passt einfach nicht zu den übrigen Aktivitäten der beiden. Für mich ist das Verbrechen nicht aufgeklärt. Die Geständnisse klingen nach Anwaltstaktik. Die Gutachter erschienen hilflos.
Schuld ist die Gesellschaft und George W. Bush?
sonobox 25.03.2010
4. Das ist schon ein wenig lächerlich...
Zitat von darkbishopboah...das ist schon heftig hier in deutschland! vier menschen erschiessen und du gehst als "jugendlicher" für ganze 10 jährchen in den bau... Man sollte das echt nach unten korrigieren mit dem Strafalter...
Naja, er ist ja jetzt 20 war also volljährig zum Zeitpunkt der Tat. Man haette ihn auch nach Erwachsenemstrafrecht verurteilen koennen. Mir ist auch schleierhaft warum man das in dem Fall nicht macht.
Act_of_Peace, 25.03.2010
5. Es könnte aber auch
Zitat von PeteLustigSchuld ist die Gesellschaft und George W. Bush?
die "Klimaerwärmung" sein! Verstehe die Satire im Post. Aber mal ehrlich - das Thema ist zu Ernst um darüber zu frotzeln. Langsam sollte dieser Staat darüber nachdenken ob "Jugendstrafrecht" bis 21 ausgedehnt werden kann oder ob Punkt 18 das Strafrecht für Erwachsene gilt - ohne Wenn und Aber!
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