Vierfachmord von Eislingen Händchenhalten, aber kein Sex

Mord aus Liebe? In dem Verfahren um den brutalen Vierfachmord von Eislingen hat ein Gutachter nun bestätigt, dass die beiden Angeklagten ein sehr inniges Verhältnis zueinander hatten. Sie sollen hin und wieder Hand in Hand gegangen sein, eine sexuelle Beziehung soll es jedoch nicht gegeben haben.


Ulm - Die beiden mutmaßlichen Vierfachmörder von Eislingen sollen keine sexuelle Beziehung miteinander gehabt haben. Es sei zwar ein sehr enges Verhältnis gewesen und sie seien auch hin und wieder Hand in Hand gegangen, aber sie seien nicht miteinander intim gewesen, soll Frederik B. - der angeklagte Schulfreund des Sohnes der getöteten Familie - gesagt haben.

Das berichtete der psychiatrische Gutachter Peter Winckler am Dienstag vor dem Landgericht Ulm. Frederik B. wollte mit der Tat wohl die Freundschaft zu dem mitangeklagten Sohn der getöteten Familie festigen. Frederik B. habe gedacht, sich durch den Mord unauflösbar mit dem Sohn der getöteten Familie Andreas H. zusammenzuschweißen, sagte Winckler. Er hätte alles dafür getan, niemals als Freund "abgesetzt" zu werden, habe Frederik B. gesagt.

Winckler soll dem Gericht bei der Einschätzung des Entwicklungszustandes helfen. Der 19-jährige Frederik B. hatte bereits gestanden, die Schüsse auf die Eltern und die beiden Schwestern von Andreas H. auf dessen Bitten in der Nacht auf Karfreitag 2009 allein abgefeuert zu haben.

Zudem habe Frederik B. es für seine Freundschaftspflicht gehalten, Andreas H. in allen Lebenslagen zu unterstützen. Für Außenstehende habe das Vorhaben erschreckend klingen müssen, berichtete der Gutachter. Aber für ihn sei es in Ordnung gewesen. Schließlich habe er gewusst, wie schlecht es Andreas H. in seiner Familie gegangen sei, habe Frederik B. weiter erzählt. Es wäre daher für ihn nicht vorstellbar gewesen, sich von seinem Freund abzugrenzen. Er habe in Andreas H. schließlich einen "Freund fürs Leben" gefunden.

Die Freunde hatten demnach für den Fall, dass einer erwischt würde, auch die Abmachung geschlossen, sich nicht gegenseitig zu verpetzen und den anderen rauszuholen - koste es, was es wolle. Dabei habe es auch Fantasien gegeben, den anderen mit Waffengewalt zu befreien. Am Tatmorgen habe ihm Andreas H. dann auch ein "Drehbuch" mitgegeben, wie er sich bei seiner Vernehmung zu verhalten habe. Andreas H. habe schließlich in jeder Situation gewusst, was man machen müsse.

jjc/dpa

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