Vierfachmord von Eislingen Sohn bestreitet Mord an Eltern und Schwestern

Zwei Verdächtige sind inhaftiert, doch der Mord an einer Familie im schwäbischen Eislingen bleibt mysteriös: Die verdächtigen Männer leugnen die Tat. Der Jüngere, Sohn der getöteten Familie, war Mitglied in einem Schützenverein, aus dem im Oktober 2008 mehrere Waffen gestohlen wurden.


Göppingen - "Sie leugnen die Tat", sagte der Göppinger Polizeisprecher Rudi Bauer am Sonntag. Nach dem Vierfachmord in Eislingen sitzen der 18-jährige Sohn der getöteten Familie und dessen 19 Jahre alter Freund in Untersuchungshaft. Ein Richter am Landgericht Ulm hatte am Samstagabend Haftbefehl erlassen. Von der Tatwaffe fehlt weiter jede Spur. Auch das Motiv ist noch immer unklar.

Polizeiabsperrung: Die Ermittlungen am Tatort sind abgeschlossen
AP

Polizeiabsperrung: Die Ermittlungen am Tatort sind abgeschlossen

Die Männer stehen in Verdacht, den 57-jährigen Heilpraktiker, seine zwei Jahre jüngere Frau und die beiden Töchter im Alter von 22 und 24 Jahren erschossen zu haben. Die Opfer starben an einer Vielzahl von Schüssen aus einer Kleinkaliberwaffe. Der 18-Jährige selbst alarmierte am Karfreitag die Polizei.

Einbruchspuren wurden an der Wohnung nicht gefunden. Außerdem muss die Polizei klären, wer von den beiden Tatverdächtigen geschossen haben könnte. "Das ist für uns die zentrale Frage. Wir werden versuchen, den Tatverdacht zu erhärten. Bei den Indizien müssen wir sehr gut aufpassen, wie wir sie bewerten", sagte Bauer.

Die Ermittlungen am Tatort wurden unterdessen abgeschlossen. Die Beamten der 30-köpfigen Sonderkommission "Familie" warten laut Bauer noch auf detaillierte Obduktionsberichte und Waffengutachten. Der 18-Jährige ist Mitglied in einem Schützenverein in Eislingen, auf ihn sind aber keine Waffen eingetragen.

Aus den Vereinsräumen sind im vergangenen Jahr Waffen gestohlen worden. "Anfang Oktober wurde in der Schützengilde eingebrochen. Dabei wurden mehrere Waffen entwendet, auch kleinkalibrige", sagte Bauer. Die Spurenlage sei damals relativ gering gewesen, so dass sich die Einbrecher nicht ermitteln ließen. "Dieser Tatzusammenhang wird von uns abgeklärt".

Laut Bauer will die Polizei im Schützenverein erneut kontrollieren, ob weitere Waffen entwendet worden seien. Der 18- Jährige hatte im Schützenverein mit Luftgewehren aber auch mit kleinkalibrigen Waffen - sogenannten KK-Gewehren - geübt. Am Sonntagvormittag löschte der Verein das Bild und den Namen des 18- Jährigen von der Homepage.

Nach Angaben des Polizeisprechers werden die beiden Tatverdächtigen sowie das nähere Umfeld der beiden Männer und der Opfer weiter beleuchtet. "Die Vernehmungen gehen weiter, ebenso die Spurenauswertung. Die Ermittler sichern in den Wohnungen der Tatverdächtigen auch noch neue Spuren", sagte Bauer. Die Sonderkommission werte Computer, Laptops und Terminkalender aus.

Die Getöteten waren in ihrer Maisonettewohnung in einem der Familie gehörenden Mehrfamilienhaus gefunden worden. Die Familie gelte als "gut situiert", im Erdgeschoss des Hauses befindet sich die Praxis des getöteten 57-Jährigen, der als Heilpraktiker arbeitete.

Die Mutter wurde 55 Jahre alt. Die beiden Schwestern starben im Alter von 24 und 22 Jahren. Die Leiche des Vaters wurde im Flur, die der Mutter im Bad aufgefunden. Die beiden jungen Frauen lagen im Dachgeschoss in einem Zimmer. Außer den beiden Töchtern und dem Sohn hatte die Familie keine weiteren Kinder.

rom/AP/dpa



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