Wachkoma-Patient in Frankreich Ärzte dürfen künstliche Ernährung beenden

Vincent Lambert liegt seit zehn Jahren im Wachkoma. Nun hat Frankreichs höchstes Gericht entschieden: Die Ärzte können die lebenserhaltenden Maßnahmen für den 42-Jährigen sofort einstellen.

Wachkoma-Patient Vincent Lambert im Jahr 2015
COURTESY OF THE FAMILY/ AFP

Wachkoma-Patient Vincent Lambert im Jahr 2015


Wachkoma-Patient Vincent Lambert wird nach einem jahrelangen Rechtsstreit nun wohl doch bald sterben. Frankreichs höchstes Gericht hat den Weg für einen erneuten Behandlungsstopp freigemacht, wie französische Medien übereinstimmend unter Berufung auf den Anwalt von Lamberts Ehefrau berichten.

Für ein Ende der Behandlung gebe es ab sofort kein rechtliches Hindernis mehr, sagte Anwalt Patrice Spinosi nach der Verhandlung vor TV-Kameras. Damit könnten die Ärzte die lebenserhaltenden Maßnahmen für den 42-Jährigen "sofort" beenden.

Die Mediziner der Uniklinik Reims hatten die künstliche Ernährung bereits vor gut einem Monat beendet. Wenige Stunden später ordnete ein französisches Berufungsgericht jedoch überraschend die Wiederaufnahme an. Der Kassationshof hat diese Entscheidung nun aufgehoben und festgestellt, dass das Berufungsgericht nicht zuständig war. Rechtsmittel seien nicht möglich.

Die Familie ist zerstritten

Lambert war vor rund zehn Jahren bei einem Verkehrsunfall verunglückt. Er zog sich dabei schwere Verletzungen am Kopf zu. Seitdem befindet er sich in einem vegetativen Zustand. Das heißt in der Regel, dass Patienten zwar die Augen offen haben und wach erscheinen, aber keinen Gegenstand fixieren und auch nicht mit Sprache oder Bewegungen auf äußere Einflüsse reagieren. Das Stammhirn ist aber noch aktiv, Blutdruck, Atmung und viele Reflexe werden weiter geregelt.

Die Familie des früheren Krankenpflegers ist zutiefst zerstritten. Seine katholischen Eltern und seine Geschwister sind gegen die Einstellung der Pflege. Sie wollen seinen Tod mit aller Macht verhindern und haben sich in Frankreich durch sämtliche Instanzen geklagt. Sie scheiterten dort immer wieder und auch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

"In Würde gehen lassen"

Lamberts Ehefrau will ihn dagegen "in Würde gehen lassen". Ihr Mann habe sich nie gewünscht, dass sein Leben künstlich verlängert werde, sagte sie vor einigen Jahren. Eine Patientenverfügung von Lambert gibt es allerdings nicht.

"Ich denke, dass das Universitätsklinikum Reims entschlossen ist, die Behandlung einzustellen, und ich denke, dass es dies tun wird", sagte nun Lamberts Neffe François, der auf Seiten der Ehefrau steht, dem Sender Franceinfo.

Der Anwalt von Lamberts Eltern reagierte auf die Entscheidung des Gerichts mit einer massiven Drohung. Man werde den behandelnden Arzt wegen Mordes vor Gericht bringen, sollte er die Behandlung beenden, sagte Jérôme Triomphe.

In Deutschland gilt das Einstellen künstlicher Ernährung als passive Sterbehilfe, die nicht strafbar ist. Voraussetzung dafür ist jedoch der ausdrückliche Wille des Patienten. Seit 2009 können Bürger in einer Patientenverfügung im Vorhinein schriftlich festlegen, ob und wie sie in bestimmten Situationen medizinisch behandelt werden möchten.

wit/AFP/dpa



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