Massaker in Virginia Beach Todesschütze erwarb seine Waffen legal

Er feuerte in der Stadtverwaltung um sich und tötete zwölf Menschen: Die Polizei hat Details zum Täter von Virginia Beach bekannt gegeben. Seinen Namen erwähnte sie nur einmal - und dabei soll es bleiben.

Ein FBI-Agent am Tatort des Massakers in Virginia Beach
Eric Baradat / AFP

Ein FBI-Agent am Tatort des Massakers in Virginia Beach


Nach dem Blutbad mit zwölf Todesopfern im US-Bundesstaat Virginia sucht die Polizei nach dem Motiv des Täters. Die Behörden gaben am Samstag den Namen des Angreifers - DeWayne Craddock - bekannt, Medienberichten zufolge war er 40 Jahre alt. Der langjährige städtische Angestellte hatte am Freitag in der Stadtverwaltung im Küstenort Virginia Beach das Feuer eröffnet und war später bei einem Feuergefecht mit den alarmierten Polizisten erschossen worden.

Bei einer Pressekonferenz und einer Gebetswache wurde an die Todesopfer erinnert. Die Beamten versuchten, den Fokus auf die Opfer statt auf den Attentäter zu richten. Sie nannten nur einmal den Namen des Täters und sagten, sie würden ihn nicht weiter erwähnen.

Teilnehmer einer Mahnwache beten für die Opfer des Attentats in Virginia Beach
Daniel Sangjib Min/Richmond Times-Dispatch via AP

Teilnehmer einer Mahnwache beten für die Opfer des Attentats in Virginia Beach

Unter den Todesopfern waren sieben Männer und fünf Frauen, die fast alle für die rund 320 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Washington gelegene Stadt arbeiteten. Die Tat löste weltweit Entsetzen aus. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) nannte die Nachricht von der Gewalttat "bestürzend". "Wir denken in diesen schwierigen Stunden an die Angehörigen und Freunde der Opfer", schrieb er auf Twitter.

Der Täter war nach Angaben von Polizeichef James Cervera seit 15 Jahren als Ingenieur beim öffentlichen Versorgungsunternehmen von Virginia Beach beschäftigt. Zu möglichen Disziplinarmaßnahmen oder anderen Auffälligkeiten in der Personalakte wollte er sich nicht äußern. Das "Wall Street Journal" berichtete, der Mann sei vor kurzem gefeuert worden.

Chip Somodevilla / AFP

Der Täter sei mit einer halbautomatischen Pistole bewaffnet gewesen, sagte Cervera. Die Hintergründe der Tat seien noch unklar: "Zurzeit gibt es noch mehr Fragen als Antworten." Angaben der Polizei zufolge hatte der Täter die Schusswaffe mit einem Schalldämpfer ausgestattet und während des Angriffs mit weiterer Munition nachgeladen. Außerdem seien weitere Waffen am Tatort und im Haus des Täters gefunden worden.

Der Schütze hatte mehrere Waffen legal gekauft, teilte ein Bundesbeamter in einer Pressekonferenz mit. Auch die Waffen, die am Tatort gefunden wurden, hatte er demnach legal erworben. Lokalen Medien zufolge hatte der Täter keine schwerwiegenden Vorstrafen.

Erneut Diskussion über Waffengesetze

Der Angriff heizte die Diskussion um die Waffengesetze in den USA wieder an. In den USA, wo das Recht auf privaten Waffenbesitz in der Verfassung verankert ist, gibt es immer wieder tödliche Schusswaffenangriffe. Nach Angaben der Organisation Gun Violence Archive war der Angriff in Virginia Beach bereits der 150. Fall von Waffengewalt in diesem Jahr, bei dem vier oder mehr Menschen angeschossen oder getötet wurden.

Der Parteivorsitzende der Demokraten, Tom Perez, sagte bei CNN: "Wir können etwas dagegen tun." Der Waffenlobby-Organisation NRA müsse der Kampf angesagt werden. Sein Parteikollege, der New Yorker Abgeordnete Gregory Meeks, sagte bei CNN: "Es ist immer dasselbe. Wir halten eine Gedenkminute ab, und danach passiert nichts." Es gebe diverse abstimmungsreife Gesetzesvorlagen. Die NRA müsse die Frage beantworten, warum gesunder Menschenverstand nicht siegen könne.

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Virginia Beach: Schütze eröffnet Feuer in Stadtverwaltung

"Eine weitere schreckliche Schießerei schockiert die Nation", twitterte der demokratische Präsidentschaftsbewerber Pete Buttigieg. Es sei Zeit zu handeln. Senator Bernie Sanders, der sich ebenfalls um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bewirbt, kritisierte den Einfluss der US-Waffenlobby NRA auf die Politik. Der Kongress dürfe sich nicht länger die Gesetze von der NRA diktieren lassen. "Diese widerliche Waffengewalt muss aufhören."

Bemühungen von Organisationen, strengere Waffengesetze zu erkämpfen, scheitern am Widerstand vor allem konservativer Politiker und der Waffenlobbyorganisation NRA. Präsident Donald Trump hatte bei einer NRA-Veranstaltung im April betont, seine Republikaner seien die Partei, die das Recht auf Waffenbesitz schütze. Mit Blick auf die Demokraten sagte er damals: "Sie werden auch eure Waffen wegnehmen!" Er versprach den Waffenlobbyisten, das Recht auf Waffenbesitz nicht anzutasten.

mal/AP/AFP/Reuters/dpa



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