Gnadengesuch abgelehnt Virginia vollzieht umstrittene Hinrichtung

William Morva galt als psychisch krank - dennoch ist der 35-Jährige nun wegen Mordes in Virginia hingerichtet worden. Viele Beobachter hatten Zweifel, ob er ein faires Verfahren bekommen hatte.

William Morva (undatiertes Foto)
REUTERS/Virginia Department of Corrections

William Morva (undatiertes Foto)


Der US-Bundesstaat Virginia hat eine äußerst umstrittene Hinrichtung vollzogen. Der wegen Mordes verurteilte William Morva erhielt eine tödliche Injektion und wurde um 21.15 Uhr am Donnerstagabend für tot erklärt. Eine Begnadigung in letzter Minute hatte Gouverneur Terry McAuliffe abgelehnt.

Morva, der sowohl die US- als auch die ungarische Staatsbürgerschaft hat, war ursprünglich wegen eines bewaffneten Raubüberfalls verurteilt worden. Im Jahr 2006 gelang ihm die Flucht aus einem Gefängniskrankenhaus, indem er einen Polizisten niederschlug, dessen Waffe raubte und damit einen Sicherheitsmann erschoss. Auf der Flucht tötete er einen weiteren Polizisten. In einem zweiten Prozess wurde er deshalb wegen Mordes zum Tode verurteilt.

Bei Morva gab es deutliche Anzeichen für eine psychische Erkrankung. Doch laut McAuliffe gab es keine ausreichenden Gründe, die nach einem "fairen Verfahren" ergangene Entscheidung der Geschworenen zu kippen. Bei dem Mordprozess sei auch der psychische Zustand des Angeklagten auf Grundlage "substanzieller Beweismittel" überprüft worden.

"Nicht die Kriterien eines fairen Verfahrens erfüllt"

Es gab viele Prozessbeobachter, die dies anders sahen. Zwei Uno-Sonderberichterstatter für Menschenrechtsangelegenheiten hatten an McAuliffe appelliert, Morva zu verschonen. Sie zeigten sich "tief besorgt" über Informationen, wonach der Prozess gegen den 35-Jährigen "nicht die Kriterien eines fairen Verfahrens erfüllt" habe.

Zwei Psychologen hatten bei Morva eine schwere psychische Erkrankung ähnlich der Schizophrenie diagnostiziert. Seine Verteidiger führen ins Feld, ihr Mandant sei nicht in der Lage, die Konsequenzen seiner Handlungen zu begreifen, und den Geschworenen sei im Verlauf des Mordprozesses ein falsches Bild von dessen mentalem Zustand vermittelt worden. Die Anwälte argumentierten, Morva sei fälschlicherweise überzeugt gewesen, er müsse wegen des Raubüberfalls bis zu seinem Tod im Gefängnis bleiben.

Hinrichtungen seit 1976

Auch die Tochter des erschossenen Polizisten, die ungarische Botschaft und einzelne Abgeordnete forderten, Morva nicht hinzurichten. Morvas Taten seien die Folge seiner psychischen Erkrankung, die es ihm unmöglich mache, zwischen Wahnvorstellungen und Realität zu unterscheiden.

Ein Psychiater untersuchte Morva nach dem Prozess und kam zum Schluss, der Mann glaube, er habe eine lebensbedrohliche Magen-Darm-Erkrankung. Morva sei auch der Überzeugung gewesen, eine frühere Regierung konspiriere mit der Polizei, um ihn ins Gefängnis zu bringen. In den Jahren vor seinen Taten war Morva in der Gegend um Blacksburg als "Verrückter Will" bekannt, der im Wald schlief und auch im Winter keine Schuhe trug.

Neue Regelung macht Hinrichtungen weniger transparent

Morvas Hinrichtung war die erste, bei der die Behörden einem neuen, weniger transparenten Protokoll folgten. Bislang hatten Zeugen beobachten können, wie Todeskandidaten in die Hinrichtungskammer kommen und auf der Liege festgeschnallt werden. Dann wurde ein Vorhang zugezogen, bis der Zugang für die Gabe des tödlichen Medikamentencocktails gelegt war und Sensoren zur Überwachung des Herzschlags befestigt waren. Nach der Öffnung des Vorhangs wurde der Todeskandidat gefragt, ob er letzte Worte habe.

Bei Morva wurde der Vorhang bereits geschlossen, als die Zeugen den Beobachtungsraum betraten und erst wieder geöffnet, als Morva schon festgeschnallt und die Zugänge gelegt waren.

Die Änderung im Protokoll wurde nach einer Hinrichtung im Januar festgelegt. Damals hatten Anwälte darauf aufmerksam gemacht hatten, wie lange es dauerte, bei der Hinrichtung des Mörders Ricky Gray den Zugang zur Gabe des Medikamentencocktails zu legen.

"+" bedeutet: Todesurteile wurden verhängt oder vollstreckt. Daten genügen nicht für konkrete Zahlen.
">" bedeutet: Mindestwert. Laut Amnesty International liegt die tatsächliche Zahl wahrscheinlich höher.

ulz/AFP/AP



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