Messerattacke auf Eltern 17-Jährige wegen Mordes zu neun Jahren Haft verurteilt

In Vlotho hatte eine heute 17-Jährige ihren Stiefvater erstochen. Das Landgericht Bielefeld hat die Jugendliche nun zu neun Jahren Haft verurteilt. Offen bleibt das Motiv hinter der Tat.


Knapp acht Monate nach einem Familiendrama im nordrhein-westfälischen Vlotho hat das Landgericht Bielefeld eine 17-Jährige wegen Mordes an ihrem Stiefvater und gefährlicher Körperverletzung zu neun Jahren Jugendstrafe verurteilt.

Nach Überzeugung des Gerichts hatte die Jugendliche zunächst auf ihre schlafende Mutter eingestochen und dann ihren Stiefvater getötet, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Das Motiv ist weiterhin unklar.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mädchen Mord und versuchten Mord vorgeworfen. Dem Urteil zufolge hatte sie im November 2015 versucht, die schlafende Mutter mit einem Messer zu töten. Der Stiefvater kam ums Leben, als er seine Frau schützen wollte. Die 16-Jährige stach nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft weiter auf die flüchtende Mutter ein und verletzte sie lebensgefährlich.

Das Gericht glaubte dem Mädchen nicht

Wie die Verhandlung ergab, verlagerte sich das Kampfgeschehen in der Folge vom Elternschlafzimmer in den Flur, wo später die Schwester der mutmaßlichen Täterin hinzukam. Das Gericht konnte dem Sprecher zufolge allerdings nicht die genauen Umstände klären, unter denen die Tochter letztlich von weiteren Angriffen auf ihre Mutter Abstand nahm. Die Schwester machte vor Gericht von ihrem Schweigerecht Gebrauch.

Die Angeklagte hatte dem Gerichtssprecher zufolge im Ermittlungsverfahren einen unbekannten Einbrecher der Tat bezichtigt. Vor Gericht schwieg sie dann zunächst, bestritt aber zu einem späteren Zeitpunkt in der Hauptverhandlung die Bluttat und gab an, die Mutter habe den Stiefvater getötet. Dem schenkte das Gericht keinen Glauben.

Mit seinem Urteil blieb das Landgericht knapp unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die auf zehn Jahre Jugendstrafe und damit auf die Höchststrafe nach Jugendrecht plädiert hatte. Die Verteidigung hatte Freispruch beantragt.

Der Prozess hatte im April begonnen. Da die Mutter als Nebenklägerin gegen ihre eigene Tochter auftrat, hatte die damals 16-Jährige einen Vormund zur Seite gestellt bekommen. Die Öffentlichkeit war zum Schutz der minderjährigen Angeklagten ausgeschlossen.

mxw/AFP



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