Saarland Krankenpfleger soll mindestens fünf Menschen ermordet haben

Ein 27-jähriger Krankenpfleger soll im Saarland mehrere Patienten mit nicht verordneten Medikamenten getötet haben. Der Tatverdächtige sitzt bereits wegen Betrugs in Haft.

"SHG Kliniken Völklingen": Hier arbeitete der tatverdächtige Krankenpfleger
Dirk Guldner/ DPA

"SHG Kliniken Völklingen": Hier arbeitete der tatverdächtige Krankenpfleger


Im Saarland ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen einen Krankenpfleger, der bis Mitte 2016 mindestens fünf Patienten ermordet haben soll. Der Fall erinnert an die Mordserie des mittlerweile verurteilten Serienmörders Niels Högel.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Saarbrücken laufen die Ermittlungen gegen den Pfleger bereits seit mehr als drei Jahren. Der 27-jährige Daniel B. soll damals seit wenigen Wochen im Universitätsklinikum Homburg/Saar gearbeitet haben, zuvor war er in einer Völklinger Klinik beschäftigt. Die Ermittler werfen ihm vor, Patienten auf der Intensivstation mit Medikamenten in einen lebensbedrohenden Zustand versetzt zu haben, um sie daraufhin zu reanimieren - oder es zumindest zu versuchen. Die Wiederbelebungsversuche scheiterten offenbar mehrfach: In fünf Fällen wird wegen Mordes gegen B. ermittelt, in weiteren zwei Fällen wegen versuchten Mordes.

Auf die Spur kamen ihm die Ermittler im Juni 2016. Damals soll B. in den frühen Morgenstunden in einer Notarztjacke auf der Intensivstation des Krankenhauses in Saarburg in Rheinland-Pfalz aufgetaucht sein. Er habe sich als Arzt ausgegeben und einen Defibrillator für Wiederbelebungsmaßnahmen dabei gehabt. Das Pflegepersonal in Saarburg verweigerte jedoch den Patientenkontakt und schaltete die Polizei ein.

Laut Staatsanwaltschaft stellte sich bei einer Überprüfung heraus, dass B. kein Arzt war, sondern Pfleger auf der Intensivstation des Universitätsklinikums Homburg. Dort liefen offenbar bereits interne Ermittlungen gegen B., weil er im Verdacht stand, einer Patientin ein nicht verordnetes Medikament verabreicht zu haben. Mit ähnlichen Methoden hatte der verurteilte Ex-Pfleger Niels Högel in Oldenburg und Delmenhorst Dutzende von Patienten getötet.

Seit 2016 seien sieben ehemalige Patienten, die nach dem Kontakt mit B. verstorben waren, exhumiert und ihre Leichname in der Rechtsmedizin untersucht worden, so die Ermittler. Bei sechs dieser Patienten fanden sich Wirkstoffe von zwei Herzmedikamenten und einem starken Beruhigungsmittel, die nicht ärztlich verordnet waren. (Lesen Sie hier ein Experten-Interview zu der Frage, warum Helfer zu Mördern werden.)

Bislang habe sich der Pfleger nicht zu den Vorwürfen geäußert, so die Staatsanwaltschaft. Er sei bereits wegen Betrugsstraftaten verurteilt worden und sitze in Haft. Nach Angaben der Ermittler war B. von Januar 2015 bis März 2016 in Völklingen beschäftigt, anschließend in Homburg. Der Saarländische Rundfunk berichtet, dass B. zuvor auch bei Kliniken in Frankfurt und Wiesbaden beschäftigt gewesen sei, die hessischen Behörden seien informiert.

mab



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.