Von Polizist erschossen Familie trauert um Maximilian G.

Er war 28, Familienvater und im ganzen Ort als "Baba" bekannt. Gestern Abend wurde Maximilian G. von einem Polizisten erschossen - womöglich aus Notwehr: Er hatte an einer Bushaltestelle randaliert. Seine Lebensgefährtin ist jetzt allein mit vier Kindern.


Potsdam - Maximilian G. war in Nauen bekannt wie ein bunter Hund. Sie nannten ihn "Baba"; warum, weiß keiner mehr so genau. Wie ein Lauffeuer hat sich heute herumgesprochen, was in der Nacht passiert ist: Der 28-Jährige ist von einem Berliner Polizisten erschossen worden.

"Baba" soll mit zwei Freunden an drei Bushaltestellen Scheiben eingeschlagen haben. Der 24-jährige Polizist, der ebenfalls im Landkreis Havelland wohnt, soll die jungen Männer deshalb in Bahnhofsnähe zur Rede gestellt haben. Die drei flüchteten und versteckten sich. Der Polizist verfolgte sie. Die Situation eskalierte: Der Kommissar zog seine Dienstwaffe und schoss.

"Baba" starb auf der Straße.

Nauen liegt im nordöstlichen Teil der Region Havelland, keine 20 Kilometer von Berlin entfernt. Hier wohnen gerade mal 10.000 Menschen, viele von ihnen sind geschockt. "Baba" wohnte seit einem Jahr mit seiner Lebensgefährtin Antje und vier Kindern in einem frisch sanierten Mehrfamilienhaus, keine fünf Minuten vom Stadtkern entfernt.

Die zwei älteren Kinder aus einer früheren Beziehung seiner Lebensgefährtin gehen in die Grundschule, die beiden gemeinsamen, jüngeren in den Kindergarten. Die Mutter erfuhr noch in der Nacht vom Tod ihres Freundes. Psychologen kümmern sich um die junge Frau und die Halbwaisen.

Außer Ruhestörung galt Maximilian G. als harmlos

Maximilian G. war so bekannt, weil er viele Freunde um sich scharte, darunter zahlreiche Jugendliche. Meist traf er sich mit ihnen am Torbogen vor dem Haus, in dem er mit seiner Familie lebte. Bei ihnen war er beliebt - bei einigen Nachbarn weniger. Etliche beschwerten sich regelmäßig bei der Hausverwaltung wegen Ruhestörung. Schwerwiegenderes habe er sich jedoch nicht zuschulden kommen lassen, erzählen seine Freunde.

Sie wollen nicht glauben, dass der 28-Jährige, der seit längerem arbeitslos gewesen sein soll, den Polizisten attackiert oder provoziert hat. Oberstaatsanwalt Wilfried Lehmann sagt allerdings SPIEGEL ONLINE, vieles deute darauf hin, dass der Polizeibeamte angegriffen wurde und womöglich in Notwehr gehandelt hat: "Es soll einen solchen Angriff gegeben haben." Details teilte Lehmann noch nicht mit.

Trauriger Alltag in Nauen: Randalierende Banden

Der Polizist war mit Maximilian G. und dessen beiden Begleitern im selben Zug von Berlin nach Nauen gefahren. Der 24-Jährige soll die drei Männer gegen 21 Uhr dabei beobachtet haben, wie sie mit Notfallhammern aus den Zugabteilen die Scheiben von drei Bushaltestellen zerschlugen. Randalierende Jugendliche gehören zum Alltag in Nauen, gerade in der Bahnhofsgegend. "Babas" Freunde wurden noch in der Nacht verhört. Jetzt sind sie auf freiem Fuß.

Die Obduktion hat ergeben, dass Maximilian G. definitiv durch einen Schuss aus der Dienstwaffe ums Leben gekommen ist. Der Polizeibeamte hat bisher keine Aussage zum Geschehen gemacht. Nach Angaben eines Berliner Polizeisprechers wurde er heute Morgen aus dem Polizeigewahrsam entlassen, aber weiter psychologisch betreut. Ob der 24-Jährige vom Dienst suspendiert wird, ist noch offen.

jjc/amz



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