Vorwürfe aus Frankreich Strauss-Kahn plant Anzeige wegen Verleumdung

Dominique Strauss-Kahn geht zum Gegenangriff über: Die Anwälte des früheren IWF-Chefs haben eine Anzeige wegen Verleumdung angekündigt - zuvor hatte ihn eine französische Journalistin der versuchten Vergewaltigung bezichtigt. Die Vorwürfe bezeichnete der 62-Jährige als "erfunden".

Journalistin Tristane Banon: Dominique Strauss-Kahn wehrt sich gegen Vorwürfe
Reuters

Journalistin Tristane Banon: Dominique Strauss-Kahn wehrt sich gegen Vorwürfe


Paris - Dominique Strauss-Kahn will die neuen Anschuldigungen aus seiner französischen Heimat nicht auf sich sitzen lassen. Die Anwälte des ehemaligen IWF-Chefs haben eine Anzeige wegen Verleumdung gegen eine französische Autorin angekündigt.

Tristane Banon hatte Strauss-Kahn zuvor der versuchten Vergewaltigung beschuldigt - und ihrerseits eine Anzeige auf den Weg gebracht. In der Stellungnahme Strauss-Kahns hieß es, der ehemalige IWF-Chef weise den angeblichen Zwischenfall als "erfunden" zurück.

Die Französin will am Dienstag wegen des angeblichen Übergriffs Anzeige gegen Strauss-Kahn erstatten. Das teilte ihr Rechtsanwalt David Koubbi am Montag in Paris mit.

Banon wirft Strauss-Kahn vor, sie 2002 auf dem Weg zu einem Interview sexuell bedrängt zu haben. Die damals 22-Jährige hatte aber auf Anraten ihrer Mutter, einer Kommunalpolitikerin in Strauss-Kahns sozialistischer Partei, auf eine Anzeige gegen den Freund der Familie verzichtet.

Nach französischem Recht verjähren Sexualdelikte nach drei Jahren, bei versuchter Vergewaltigung beträgt die Frist jedoch zehn Jahre. Banon hatte im Mai im französischen Fernsehen erklärt, heute bedauere sie die Entscheidung, keine Anzeige zu erstatten. Das Verhalten des ehemaligen Top-Managers verglich sie mit dem eines "Schimpansen". Es sei zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen, Strauss-Kahn habe versucht, ihr die Kleidung auszuziehen.

Zuletzt hatte Anwalt Koubbi noch betont, es werde kein neuer Prozess in Frankreich angestrebt, bis die Verhandlung in den USA beendet sei. Nun habe man sich aber doch entschieden, die Sache voranzutreiben.

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Strauss-Kahn wird in den USA die versuchte Vergewaltigung einer Hotelangestellten vorgeworfen. Weil der Staatsanwaltschaft jedoch erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Hauptbelastungszeugin gekommen sind, könnte die Anklage in sich zusammenbrechen. Die Frau stehe womöglich mit "kriminellen Aktivitäten" in Verbindung, meldete die "New York Times".

Hausarrest aufgehoben - Reisepass einbehalten

Zwar hätten forensische Tests "zweifelsfreie Beweise" gefunden, dass es zwischen Strauss-Kahn und der Frau zum Sexualverkehr gekommen sei, so die "NYT" weiter. Doch selbst die Staatsanwaltschaft nehme inzwischen Abstand von der Klägerin, auf deren Aussage allein die Anklage fußt: Seit ihrer anfänglichen Behauptung habe die 32-jährige Frau aus Guinea, deren Identität bisher geheimgehalten wurde, "wiederholt gelogen".

Am Freitag hob ein Gericht in New York den Hausarrest gegen Strauss-Kahn auf. Seinen Reisepass erhält er aber vorerst nicht zurück, das Verfahren läuft weiter.

Strauss-Kahn hat die Vorwürfe stets bestritten. Auf öffentlichen Druck legte er seinen Posten als Chef des Internationalen Währungsfonds nieder.

Seit Ende Mai stand Strauss-Kahn unter Hausarrest und durfte das gemietete Townhouse in Manhattan nicht verlassen. Zudem musste er eine Kaution von sechs Millionen Dollar hinterlegen und elektronische Fußfesseln tragen.

jok/dpa/Reuters

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Seite 1
CAJ, 04.07.2011
1. Kein Wunder
Zitat von sysopDominique Strauss-Kahn*geht zum Gegenangriff über: Die Anwälte des früheren IWF-Chefs haben eine Anzeige wegen Verleumdung angekündigt - zuvor hatte ihn*eine französische Journalistin der versuchten Vergewaltigung*bezichtigt. Die Vorwürfe bezeichnete der*62-Jährige als "erfunden". http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,772341,00.html
Was soll er auch sonst dazu sagen, seine Freunde haben ja offenbar soviel Macht und Mittel das die Dame seit 9 Jahren mit ihren Vorwürfen irgendwie "überhört" wurde, da hofft er halt das zusammen mit den ihm geneigten Medien, seiner Partei (und den Millionen der Gattin ?) auch das passend zurecht gemacht wird.
No_Name 04.07.2011
2. -
Zitat von sysopDominique Strauss-Kahn*geht zum Gegenangriff über: Die Anwälte des früheren IWF-Chefs haben eine Anzeige wegen Verleumdung angekündigt - zuvor hatte ihn*eine französische Journalistin der versuchten Vergewaltigung*bezichtigt. Die Vorwürfe bezeichnete der*62-Jährige als "erfunden". http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,772341,00.html
Auch wenn das Timing sicher von den Vorkommnissen in den USA beeinflusst wurde, so scheint es doch immerhin so zu sein, dass die Vorwürfe gegen Strauss-Kahn schon länger öffentlich erhoben werden. Warum dann erst jetzt die Verleumdungsanzeige?
flyhi152 04.07.2011
3. 9 Jahre spaeter....
fragt sich wie glaubwuerdig eine zeugin ist die 9 jahre bedenkzeit fuer ihre anzeige braucht. ihre vorwuerfe sind uebrigens nicht neu. DSK waere von seiner statur her wohl auch faehig gewesen die zierliche franzoesin tatsaechlich zu vergewaltigen wenn er es gewollt haette. wahrscheinlich handelte es sich um einen annaeherungsversuch, vielleicht auch etwas zu massiv - aber ist damit der Vorwurf der versuchten vergewaltigung gerechtfertigt ?
Christian Krippenstapel 04.07.2011
4. Es bleibt spannend
Zitat von sysopDominique Strauss-Kahn*geht zum Gegenangriff über: Die Anwälte des früheren IWF-Chefs haben eine Anzeige wegen Verleumdung angekündigt - zuvor hatte ihn*eine französische Journalistin der versuchten Vergewaltigung*bezichtigt. Die Vorwürfe bezeichnete der*62-Jährige als "erfunden". http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,772341,00.html
Der Vorgang erinnert auch in dieser Hinsicht an Kachelmann, der angekündigt hat alle unnachsichtig zur Rechenschaft zu ziehen, die ihm übel nachgeredet haben sollen. Was daraus wird, werden wir sehen. Es ist ein Trauerspiel, das zwischen Männern und Frauen tiefe Gräben aufreißt! Natürlich ist nicht jede Frau eine geld-, rach- und/oder publicitysüchtige Verleumderin, aber auch nicht jeder wohlhabende, prominente Mann ist ein notgeiler Neandertaler, der sich rücksichtslos nimmt, was er zu brauchen meint. Es wäre überaus wünschenswert, wenn die Forensik ein der PCR vergleichbares Verfahren fände, mit dem sich schnell und zuverlässig feststellen ließe, ob eine Vergewaltigung stattgefunden hat oder nicht. Aber bis dahin - gute Nacht!
zorbas, 04.07.2011
5. Dieser Satz kein Verb
Dieser Satz aus dem Artikel ist leicht missverstaendlich: "Die Französin will wegen des angeblichen Übergriffs am morgigen Dienstag Anzeige gegen Strauss-Kahn erstatten." Morgen findet also der Uebergriff statt? Ansosnten, Belege auf den Tisch, dass eine Vergewaltigung stattgefunden haben soll; ich habe die Nase voll mit Behauptungen.
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