Misshandlungsvorwürfe gegen SEK Kölner Polizeipräsident verspricht Aufklärung

Polizisten eines Spezialeinsatzkommandos sollen einen Kollegen bei einem Aufnahmeritual gefesselt haben. Nun kündigt Kölns Polizeipräsident Konsequenzen an.

Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers: "Wer gegen die Grundprinzipien der Polizei verstößt, muss mit Konsequenzen rechnen"
DPA

Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers: "Wer gegen die Grundprinzipien der Polizei verstößt, muss mit Konsequenzen rechnen"


Nach den Misshandlungsvorwürfen gegen Beamte eines Kölner Spezialeinsatzkommandos (SEK) will der Polizeipräsident der Stadt durchgreifen. "Wer gegen die Grundprinzipien der Polizei Köln verstößt, muss mit weitreichenden, disziplinarrechtlichen Konsequenzen rechnen", sagte Wolfgang Albers in Köln. Er habe die Staatsanwaltschaft in den vorliegenden Fällen um besonders gründliche Ermittlungen gebeten.

Mehrere Beamte einer Kölner SEK-Einheit sollen 2014 einen jungen Kollegen tagelang gequält und schikaniert haben. Unter anderem soll er im Rahmen eines Aufnahmerituals gegen seinen Willen festgebunden worden sein. Der junge Polizist hatte sich Kollegen anvertraut und sich über eine brutale Behandlung beschwert. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung eröffnet werden.

"Ich werde nicht akzeptieren, dass (...) Kollegen beim SEK gedemütigt und erniedrigt werden", sagte Albers bei einer Pressekonferenz. "Das betroffene SEK hat offensichtlich ein falsches Verständnis von Grundwerten unserer Gesellschaft." Bei dem Beamten, der den Mut gefunden habe, Missstände beim SEK zu offenbaren, bedankte er sich. Jeder Polizist verpflichte sich mit seinem Diensteid auf Recht und Gesetz. Dazu gehöre auch, dass Polizisten die Menschenwürde ihrer Kollegen achten und schützen.

Ex-LKA-Direktor soll für Aufklärung sorgen

Um die Vorwürfe aufzuklären, soll der ehemalige Direktor des Landeskriminalamts, Wolfgang Gatzke, die interne Aufarbeitung übernehmen. Er solle auch "die Wertvorstellungen und Rituale im SEK Köln untersuchen." Als erstes hatten die "Rheinische Post" und der "Kölner Stadt-Anzeiger" über den Fall berichtet.

Die Einheit, in der sich der Vorfall abgespielt haben soll, sei von ihren Aufgaben entbunden worden, sagte ein Sprecher des NRW-Innenministeriums. "Wir dulden bei der Polizei keinerlei Mobbing und sind an einer Aufklärung des Vorfalls interessiert. Außerdem gehen wir gegen solche inakzeptablen Aufnahmerituale beim SEK konsequent vor", sagte der Sprecher. Das Ministerium habe etwaige strafrechtliche Ermittlungen in dem Kölner Fall dem Polizeipräsidium Düsseldorf übertragen.

Mit dem Vorfall gerät die Kölner Polizei innerhalb weniger Tage zum zweiten Mal in die Schlagzeilen. Die Staatsanwaltschaft prüft nach eigenen Angaben seit Montag auch die Hintergründe des spektakulären Auftauchens einer Polizei-Spezialeinheit auf der Spitze einer Kölner Rheinbrücke im vergangenen Jahr. Polizeipräsident Albers sagte hierzu: "Ich werde nicht akzeptieren, dass ein Polizeihubschrauber für private Fotos genutzt wird."

apr/dpa/AFP



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