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01. Mai 2009, 08:43 Uhr

Walpurgisnacht

Vereinzelt Ausschreitungen in Berlin und Hamburg

Rund 30 verletzte Polizisten, knapp 90 festgenommene Randalierer - in der Nacht zum 1. Mai gab es erste Krawalle. Sie verliefen weniger schwer als befürchtet, trotzdem erwartet die Berliner Polizei für diesen Abend Ausschreitungen und rüstet sich mit 5000 Beamten für einen Großeinsatz in Berlin.

Berlin/Hamburg - Brennende Mülltonnen, fliegende Flaschen und die üblichen Verdächtigen vorübergehend in Gewahrsam: Trotz rund 30 verletzter Polizisten sind die befürchteten schweren Krawalle in der Nacht zum 1. Mai sowohl in Berlin als auch in Hamburg ausgeblieben. Die Polizei in beiden Städten berichtete von "vereinzelten Ausschreitungen".

Eine Polizeisprecherin in Berlin sagte am Morgen, die Feiern und Veranstaltungen zur Walpurgisnacht seien weitgehend ruhig verlaufen. Nach dem Ende einer Kundgebung im Stadtteil Friedrichshain hätten sich jedoch bis zu 200 Menschen zu einer spontanen Demo zusammengeschlossen. Dabei seien Polizisten und eine Straßenbahn mit Flaschen beworfen worden. Knapp 30 Polizisten seien verletzt und 84 Randalierer festgenommen worden. In der gesamten Stadt sei zudem rund ein halbes Dutzend Autos in Brand gesteckt worden. An den Feiern und Veranstaltungen am Mauerpark und Boxhagener Platz hätten zuvor insgesamt rund 3000 Menschen teilgenommen.

In Hamburg beteiligten sich nach Angaben eines Polizeisprechers bis zu hundert Leute an Randalen im Schanzenviertel. Sie hätten Mülltonnen angezündet und die Scheibe eines Bankinstitutes eingeworfen. Gewaltbereite Jugendliche hätten außerdem Flaschen auf Polizisten geworfen, teilte das Lagenzentrum mit. Vier Beamte seien bei den Angriffen leicht verletzt worden, ein Zivilpolizist erlitt eine Platzwunde am Hinterkopf. Nach Mitternacht räumten rund 300 Polizisten kurzfristig das Schulterblatt. Dabei wurden auch vier Wasserwerfer in Stellung gebracht, die aber letztlich nicht zum Einsatz kamen.

Die Polizei rechnet mit schlimmen Krawallen in Berlin

Insgesamt waren mehr als 800 Beamte im Einsatz. Für eine Walpurgisnacht sei es "ruhig" gewesen, sagte auch dieser Sprecher. Die Zwischenfälle seien nicht zu vergleichen mit den schweren Ausschreitungen vor einem Jahr zum 1. Mai.

Die Berliner Polizei ist am Freitag mit einem Großaufgebot von 5000 Mann im Einsatz, um Ausschreitungen von Linksautonomen oder NPD-Anhängern zum 1. Mai zu unterbinden. Nach vergleichsweise geringen Ausschreitungen in den vergangenen Jahren wird in diesem Jahr befürchtet, dass es in der Hauptstadt zu schlimmeren Krawallen kommen könnte.

Die Berliner Polizei bot in diesem Jahr allein in der Nacht zum 1. Mai rund 2000 Einsatzkräfte auf. Verstärkt wird der 1. Mai bundesweit von linken und rechten Gruppierungen zu Demonstrationen genutzt. In mehreren Städten Deutschlands sind Kundgebungen angekündigt: Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht dabei der Berliner Stadtteil Kreuzberg, wo sich am Abend des 1. Mai traditionell auch Autonome aus der linken Szene zu Wort melden. Mit einem friedlichen "Myfest" wollen die Bewohner tagsüber ein Zeichen für Gewaltfreiheit setzen. Zudem wollen sich in diesem Jahr im Stadtteil Köpenick Anhänger der rechtsextremen NPD sowie Gegendemonstranten versammeln.

Die in Hannover geplante größte Demonstration von Rechtsextremisten wurde vom Bundesverfassungsgericht endgültig verboten. Dennoch richtet sich die Polizei auf einen Großeinsatz ein. Die Rechtsextremisten hatten 1000 Teilnehmer angekündigt, zu einer Gegenkundgebung wurden mehr als 10.000 Teilnehmer erwartet. In Mainz und Ulm dürfen Kundgebungen von Rechtsextremisten stattfinden.

jjc/AFP/dpa/Reuters

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