Fall Walter Lübcke Anwalt des Mordverdächtigen bestätigt Tatgeständnis

Der Anwalt des Tatverdächtigen im Fall Walter Lübcke hat sich erstmals geäußert. Dem SPIEGEL sagte er, sein Mandant räume die Tat ein - und werde sich möglicherweise bald öffentlich äußern.

Polizisten am Tatort in Wolfhagen (Archivbild)
Ralph Orlowski/REUTERS

Polizisten am Tatort in Wolfhagen (Archivbild)


Im Ermittlungsverfahren der Bundesanwaltschaft gegen den mutmaßlichen Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat sich erstmals der Verteidiger des Beschuldigten geäußert. Dem SPIEGEL bestätigte Rechtsanwalt Dirk Waldschmidt, dass sein Mandant Stephan Ernst die Tötung Lübckes gestanden habe. "Es ist zutreffend, was der Generalbundesanwalt mitgeteilt hat", sagte Waldschmidt. Das Geständnis sei am Dienstag abgelegt worden.

Weitere Angaben wollte der Rechtsanwalt, der bereits zahlreiche Akteure der rechtsextremen Szene juristisch vertrat und der zeitweise Vizechef der hessischen NPD war, zunächst nicht machen. Möglicherweise werde Stephan Ernst "in nächster Zeit" öffentliche Erklärungen abgeben, so sein Verteidiger.

Auch Stephan Ernst war früher in der NPD aktiv. Nach Angaben eines Parteisprechers war er nach der Jahrtausendwende der Partei beigetreten und "für wenige Monate" Mitglied des Kreisverbands Kassel gewesen. Angeblich wegen nicht gezahlter Mitgliedsbeiträge sei Ernst bereits 2004 wieder aus der Mitgliederkartei gelöscht worden.

Die NPD hatte sich bereits Mitte Juni von Ernst distanziert. Er sei vor 15 Jahren lediglich für kurze Zeit passives Mitglied gewesen, hieß es in einer Mitteilung: "Seither sind keine Kontakte zwischen ihm und Verbänden oder Aktivisten der Partei bekannt."

Am Mittwochvormittag hatte Generalbundesanwalt Peter Frank nach einer Sondersitzung des Innenausschusses des Bundestags von dem Geständnis berichtet. Ernst habe ausgesagt, die Tat alleine vorbereitet und durchgeführt zu haben. Doch erst die weiteren Ermittlungen könnten zeigen, ob es mögliche Helfer oder Mittäter gegeben habe.

Stephan Ernst sitzt bereits seit Mitte Juni unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft. Der 45-Jährige hat eine lange Vergangenheit als gewaltbereiter Rechtsextremist, er fiel zudem wiederholt mit Gewaltdelikten, Verstößen gegen das Waffengesetz, wegen Eigentumsdelikten sowie gemeingefährlicher Straftaten auf. (Mehr über den Tatverdächtigen erfahren Sie hier.)

Über sein Motiv sagte Ernst nach SPIEGEL-Informationen in einer Vernehmung, seine Tat sei eine Reaktion auf Lübckes Äußerungen über Flüchtlinge im Oktober 2015 im hessischen Lohfelden gewesen. Der CDU-Politiker hatte damals in der Debatte über die Asylpolitik gesagt: "Da muss man für Werte eintreten. Und wer diese Werte nicht vertritt, der kann jederzeit dieses Land verlassen, wenn er nicht einverstanden ist. Das ist die Freiheit eines jeden Deutschen."

Ernst war nach SPIEGEL-Informationen bei der Bürgerversammlung, auf der diese Worte fielen, selbst anwesend. Wann genau er aufgrund Lübckes Äußerungen den Plan fasste, den Politiker zu töten, ist bislang nicht klar.

srö/wow



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.